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Licht am Ende vom Tunnel? Internationale Konferenz diskutierte Kreativität und Innovation in Leipzig

15.12.2012

Am 29. und 30. Novem­ber 2012 fand in Leip­zig die Abschluss­ver­an­stal­tung des drei­jäh­ri­gen EU-Projektes “Crea­tive Cities” in Form einer inter­na­tio­na­len Kon­fe­renz “Open Inno­va­tion in Crea­tive Indus­tries” statt. Krea­ti­ves Leip­zig unter­stützte die Stadt­ver­wal­tung in der Durch­füh­rung der Kon­fe­renz als Medi­en­part­ner. Zahl­rei­che Ver­eins­mit­glie­der konn­ten sich bei der Ver­an­stal­tung ein­brin­gen, z. B. im tem­po­rä­ren Fab­Lab oder als Work­shop­mo­de­ra­tor. Nach­dem die L-IZ im Vor­feld der Stadt­ver­wal­tung vor­warf, mit dem Thema „Open Inno­va­tion“ und Charles Landry als Keynote Speaker das Pferd von hin­ten auf­zie­hen zu wol­len, möch­ten wir hier der Frage nach­ge­hen, was die Ver­an­stal­tung außer vie­len Spe­sen (u. a. Abend­es­sen im Gond­wa­na­land) gebracht hat..

Doch zunächst der Reihe nach: Auch wenn sich am ers­ten und wesent­li­chen Kon­fe­renz­tag das Crea­tive Cities – Pro­jekt quasi unsicht­bar gemacht hatte, so bil­dete es ja den orga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men der Ver­an­stal­tung. Viele Krea­tive waren von dem Pro­jekt schwer ent­täuscht, konn­ten doch viele der Ver­spre­chun­gen aus der Start­phase nicht ein­ge­löst wer­den (u. a. wurde die Schaf­fung eines mit Ver­tre­tern der Krea­tiv­wirt­schaft besetz­ter Bei­rat ange­kün­digt). Selbst wenn im Rah­men von Wett­be­wer­ben Gel­der auch an Krea­tive aus­ge­zahlt wur­den, blie­ben die Ver­fah­ren ebenso im Dun­keln wie die Geld­emp­fän­ger, die selbst nicht wuss­ten, wer außen ihnen noch in den Genuss der För­de­rung kam. Ein brei­ter Dia­log, wohin Leip­zig mit sei­ner viel­fäl­ti­gen aber den­noch ato­mi­sier­ten Krea­tiv­bran­che steu­ern möchte, fand nie statt. Als Erfolg kann immer­hin gel­ten, dass sich gleich vier Ämter der Stadt­ver­wal­tung über einen drei­jäh­ri­gen Zeit­raum hin­weg regel­mä­ßig mit den Pro­blem­la­gen der Krea­tiv­wirt­schaft befasst haben, auch wenn sich dem kon­krete Ergeb­nisse – zumin­dest von außen gese­hen – nicht zuord­nen lassen.

Zurück zur Kon­fe­renz: Die Chan­cen, die man in der Pro­jek­tum­set­zung links lie­gen ließ, schien man mit der Abschluss­ver­an­stal­tung doch noch nach­ho­len zu wol­len. So wur­den wir selbst früh­zei­tig als Medi­en­part­ner ange­fragt, Ver­eins­mit­glie­der durf­ten den Social Media – Auf­tritt der Ver­an­stal­tung gestal­ten und die Initia­tiv­gruppe für ein Fab­Lab Leip­zig konnte in einer tem­po­rä­ren mit allen gewünsch­ten Gerä­ten aus­ge­stat­te­ten Werk­statt die Poten­tiale eines Labs demons­trie­ren. Gerade letz­te­res mutete wäh­rend der gesam­ten Kon­fe­renz wie ein leben­di­ger Bie­nen­korb an, in dem stän­dig pro­gram­miert, gelasert, ge-3D-druckt und aus­pro­biert wurde. Selbst die Namens­schil­der für alle Teil­neh­men­den, beste­hend aus einem QR-Code, mit dem sich gleich die kom­plet­ten Kon­takt­da­ten des Gegen­über ins Smart­phone impor­tie­ren konnte, wurde mit dem Laser­cut­ter im Fab­Lab angefertigt.

An der Ver­an­stal­tung selbst nah­men zumin­dest am ers­ten Tag etwa 130 Per­so­nen teil, etwas weni­ger waren es am Frei­tag, an dem es dann mehr um die Ergeb­nisse des EU-Projektes ging. Als Auf­takt­red­ner der Kon­fe­renz trat der bri­ti­sche Städ­te­for­scher Charles Landry auf, der Dank sei­nes Buches “The Crea­tive City” gemein­sam mit Richard Flo­rida zu den welt­weit meist­ge­buch­ten Red­nern zum Thema Krea­tiv­wirt­schaft zählt. Wie Kul­tur– und Krea­tiv­wirt­schaft urbane Zen­tren trans­for­miert, zeigte er ein­drucks­voll anhand von Fotos, die er auf sei­nen Vor­trags­rei­sen in aller Welt auf­ge­nom­men hatte. Über die Zusam­men­set­zung des fol­gen­den Panels wun­der­ten sich dann aber viele Gäste: Mit Charles Landry dis­ku­tier­ten der Chef des in Leip­zig ansäs­si­gen Navi­ga­ti­ons­dienst­leis­ters Tom­Tom, der aus Dubai ange­reiste Eig­ner von Ady­ton Sys­tems (ein Unter­neh­men, wel­ches Netz­si­cher­heits­soft­ware anbie­tet) sowie der Vor­stand des Münch­ner Wirt­schafts­ver­eins “Munich Net­work“. So rich­tig kam eine Dis­kus­sion nicht zu Stande, auch wenn der Mode­ra­tor ver­suchte, die Runde in Rich­tung “Open Inno­va­tion” zu len­ken. Echte Bei­spiele für kol­la­bo­ra­ti­ves For­schen und Ent­wi­ckeln unter Betei­li­gung von Krea­ti­ven konnte kei­ner der Gäste ein­streuen. Dafür waren sich die Dis­ku­tan­ten einig, dass Risi­ko­freude und Unter­neh­mer­tum in Deutsch­land unter­ent­wi­ckelt sind.

In den anschlie­ßen­den Workshop-Sessions wur­den viele The­men andis­ku­tiert, anschlie­ßend im Ple­num noch ein­mal kon­krete Pro­jekte aus Leip­zig vor­ge­stellt. Letz­tere soll­ten zei­gen, dass auch in Leip­zig kol­la­bo­ra­tive Inno­va­tio­nen ent­ste­hen. Aller­dings sind die Pro­jekte, u. a. eine Koope­ra­tion zwi­schen dem Orga­ni­sa­ti­ons­team des Cam­pus­fes­tes und dem Insti­tut für Infor­ma­tik der Uni­ver­si­tät Leip­zig noch in der Start­phase, so dass man hierzu erst ein­mal nur den Ansatz aber noch nicht das fer­tige Ergeb­nis zei­gen konnte. Die Hoff­nung ist, dass die ent­stan­de­nen Bei­spiele am Ende auch Unter­neh­men aus klas­si­schen Wirt­schafts­bran­chen die Mög­lichkein schmack­haft machen, in ihren Inno­va­ti­ons­pro­zes­sen gezielt mit Krea­ti­v­un­ter­neh­men zusammenarbeiten.

Am der Kon­fe­renz blei­ben jede Menge inter­es­san­ter Ideen und Bei­spiele hän­gen – bei vie­len sicher­lich auch die Mög­lich­kei­ten eines Fab­L­abs. Dass über die Leip­zi­ger Krea­tiv­wirt­schaft mit Ver­tre­tern aus etwa 10 Län­dern dis­ku­tiert wer­den konnte, ver­dient eben­falls Beach­tung. Man­che neue Kon­takte, bspw. zu den Betrei­bern von Co-Working Slove­nia in Ljubl­jana, konn­ten so auf­ge­baut wer­den. Viele der Teil­neh­men­den ver­tra­ten Ein­rich­tun­gen der Wirt­schafts­för­de­rung oder For­schung – es bleibt zu hof­fen, dass die Kon­fe­renz bei Ihnen dazu bei­trägt, künf­tig die Hebel so zu legen, dass die Krea­tiv­wirt­schaft von der Inno­va­ti­ons­för­de­rung stär­ker pro­fi­tie­ren kann oder gar als inno­va­tive Ent­wick­lung an sich gese­hen wird. Denn, wie Charles Landry es in der Ein­gangs­rede ver­deut­lichte, Inno­va­tion sollte nicht nur als tech­ni­sches Pro­dukt son­dern ebenso als krea­ti­ver Pro­zess ver­stan­den wer­den. Und wer kann die­sen mehr vor­an­trei­ben als die Akteure selbst?!

 

Fotos: Susann Jehni­chen

Kommentare (1)

  1. Timmy Selle - geschrieben am 17. Dezember 2012 um 08:49 Uhr - #

    Danke für die Zusam­men­fas­sung.
    Selbst­ver­ständ­lich kann man loben, dass die Stadt sich an diver­sen Pro­jek­ten betei­ligt, wie es bei dem euro­päi­schen Pro­jekt CREATIVE CITIES der Fall ist. Es ist keine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass sich die Stadt­ver­ant­wort­li­chen mit dem Thema aus­ein­an­der­set­zen. Wie­derum hat mich die Ver­an­stal­tung nicht über­rascht, eher mal wie­der trau­rig dar­über gemacht, dass eine bewusste und kon­struk­tiv kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung nicht statt­fin­det. Hier war eini­ges Geld für Dinge aus­ge­ge­ben wur­den – na ja, nur Kopf­schüt­teln. Und wenn man ehr­lich zu sich ist, offen wirkte die Ver­an­stal­tung in kei­ner Weise. Lei­der geht die Kri­tik nicht nur an die Stadt­ver­ant­wort­li­chen son­dern auch an die »Krea­ti­ven«, die das Fab­Lab unkri­tisch als Inno­va­tion anwer­ben, statt sich wirk­lich mit dem Prin­zip des Fab­Lab aus­ein­an­der zu set­zen, das lei­der nur schwach in den Vor­trä­gen ange­spro­chen wurde.
    Mir brachte diese Ver­an­stal­tung aber eini­ges, denn ich sah, dass noch viel zu tun ist. Kri­tik­fä­hig­keit und, mein der­zei­ti­ges Lieb­lings­wort durch von Mutius inspi­riert, Gestal­tungs­kom­pe­tenz müs­sen als stra­te­gi­sche Schlüs­sel­ent­wick­lun­gen geför­dert wer­den, sowohl in der Wirt­schaft als auch bei der Stadt­ver­wal­tung.
    Und wie so immer meine letz­ten Worte, Bera­tung biete ich gern an.

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