
Die digitale Gesellschaft in Deutschland
Für die meisten sind digitale Medien aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. News noch vor dem Frühstück per Mail erhalten, zwischendurch twittern per Handy – eigentlich ganz normal. Doch dies gilt nur für 26 % der deutschen Bevölkerung, wie jetzt eine Studie der Initiative D21 zeigt. 70 % der deutschen Bevölkerung sind zwar laut dem (N)ONLINER Atlas 2009, einer Erhebung eben dieser Initiative, online, allerdings beschränkt sich dies bei der Mehrheit auf wenige Tätigkeiten, wie E-Mails abrufen. Die Möglichkeiten, die das Netz eigentlich bietet, nutzen nur wenige.
Erfreulich ist, dass von 2008 auf 2009 der Anteil der Onliner um 4 Prozentpunkte gestiegen ist, so dass 2009 rund 46,3 Millionen Menschen über 14 Jahre die Möglichkeit haben, von der digitalen Welt zu partizipieren. Bei den Altersgruppen ist allerdings immer noch eine starke Abstufung zu erkennen. Während bei den 14– bis 29jährigen 94,5 % das Internet nutzen, sind es bei den 30– bis 49jährigen nur noch 85 %, bei den über 50jährigen sogar nur noch 44,9 %. Allerdings nimmt die Nutzung in allen Bereichen stetig zu. Bei den sogenannten BestAgern ab 50 Jahren um knappe 5 % innerhalb eines Jahres.
Sehr erstaunlich ist, dass es starke Abweichungen des Onliner-Anteils in den einzelnen Bundesländern bzw. zwischen Ost– und Westdeutschland gibt. Während beispielsweise in Bremen 74,2 % der Bevölkerung das Internet nutzen, sind es in Sachsen-Anhalt, das auf dem letzten Platz landete, nur 60,7 %.
In der aktuellen Studie der Initiative wurde nun die digitale Gesellschaft Deutschlands in Nutzergruppen aufgeteilt. Die Befragung wurde von TNS Infratest bei 1.014 Personen deutschlandweit durchgeführt. Dabei sind 6 Typen identifiziert worden:
Die digitalen Außenseiter (35 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 62,5 Jahre
- Vorwiegend weiblich (66 %)
- Überwiegend geringe formale Bildung
- Vorwiegend nicht berufstätig (74 %)
- Unterdurchschnittliches Haushaltseinkommen
- Leben großteils in Ein– und Zwei-Personen-Haushalten (78 %, davon 34 % in Ein-Personen-Haushalten)
Gelegenheitsnutzer (30 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 41,9 Jahre
- Leicht erhöhter Frauenanteil (55 %)
- Überwiegend einfache und mittlere formale Bildung
- Geringer Anteil von Berufstätigen (56 %)
- Durchschnittliches Haushaltseinkommen
- Leben überwiegend in Partnerschaften oder in Familien (88 % – Haushalte mit zwei und mehr Personen)
Berufsnutzer (9 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 42,2 Jahre
- Geringer Männerüberhang (52 %)
- Hauptsächlich einfache und mittlere formale Bildung
- Höchster Anteil von Berufstätigen (85 %)
- Überdurchschnittliches Haushaltseinkommen (33 % verdienen über Euro 2.500,- pro Monat)
- Leben überwiegend in Partnerschaften oder in Familien (84 % – Haushalte mit zwei und mehr Personen, 52 % mit drei und mehr Personen im Haushalt)
Trendnutzer (11 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 35,9 Jahre
- Stark erhöhter Männeranteil (78 %)
- Mittlere formale Bildung (40 %) und hoher Schüleranteil (13 %)
- Eher berufstätig (65 %), aber auch hoher Schüleranteil (13 %)
- Überdurchschnittliches Haushaltseinkommen (34 % verdienen über Euro 2.500,- pro Monat)
- Leben überwiegend in Familien (56 % mit drei und mehr Personen im Haushalt) oder in Partnerschaften
Digitale Profis (12 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 36,1 Jahre
- Vorwiegend männlich (66 %)
- Hohe formale Bildung (40 % mit Hochschulabschluss)
- Hoher Anteil berufstätig (81 %)
- Stark überdurchschnittliches Haushaltseinkommen (51 % verdienen über Euro 2.500,- pro Monat)
- Leben überwiegend in Partnerschaften oder in Familien (85 % – Haushalte mit zwei und mehr Personen, davon 33 % Zwei-Personen-Haushalte)
Digitale Avantgarde (3 % der Gesamtbevölkerung)
- Durchschnittsalter 30,5 Jahre
- Erhöhter Männeranteil (60 %)
- Hohe formale Bildung (40 % mit Hochschulabschluss) und 9 % Schüler
- Vorwiegend berufstätig (74 %)
- Leicht unterdurchschnittliches Haushaltseinkommen (52 % verdienen unter Euro 2.000,- pro Monat)
- Hoher Singleanteil (26 % leben in Ein-Personen-Haushalten)
Diese Ergebnisse sind vor allem für die Ausrichtung von Unternehmen die Marketingmaßnahmen betreffend interessant, da deutlich wird, dass die Mehrheit der Deutschen noch nicht wirklich in der Online-Welt angekommen ist. Immerhin 65 % zählen zu den Digitalen Außenseitern oder den Gelegenheitsnutzern, nutzen das Internet also gar nicht bzw. nur bedingt. Was nicht überrascht, ist das Durchschnittsalter, welches in der Gruppe der Digitalen Außenseiter, die gleichzeitig die stärkste Gruppe darstellt, bei 62,4 Jahren liegt.
Die Initiative D21 besteht aus einem Netzwerk von rund 200 Unternehmen, welches das Ziel verfolgt, Deutschland in der Welt des 21. Jahrhunderts gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Dies soll mit verschiedenen gemeinnützigen Projekten geschehen. Wie die Studienergebnisse zeigen, ist dies vor allem im Bereich der älteren Nutzergruppen von Nöten.
Download der Studie (direkter PDF-Link)
Potenzial-Index: Infrastruktur, Internetzugang, Kompetenz, Wissen

Woanders wird gesagt …
Studie: Internet verschönert das Leben | Kreatives Leipzig - geschrieben am 19. April 2010 um 12:11 Uhr
[…] Nachholebedarf bei den älteren Menschen wird hier wieder einmal deutlich, der neulich schon in der Studie zur Digitalen Gesellschaft in Deutschland aufgezeigt worden ist: Von den Befragten bis 29 Jahre sind 92 % online, bei den Senioren ab 65 […]