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Die digitale Gesellschaft in Deutschland

07.04.2010

Für die meis­ten sind digi­tale Medien aus dem All­tag nicht mehr weg­zu­den­ken. News noch vor dem Früh­stück per Mail erhal­ten, zwi­schen­durch twit­tern per Handy – eigent­lich ganz nor­mal. Doch dies gilt nur für 26 % der deut­schen Bevöl­ke­rung, wie jetzt eine Stu­die der Initia­tive D21 zeigt. 70 % der deut­schen Bevöl­ke­rung sind zwar laut dem (N)ONLINER Atlas 2009, einer Erhe­bung eben die­ser Initia­tive, online, aller­dings beschränkt sich dies bei der Mehr­heit auf wenige Tätig­kei­ten, wie E-Mails abru­fen. Die Mög­lich­kei­ten, die das Netz eigent­lich bie­tet, nut­zen nur wenige.

Erfreu­lich ist, dass von 2008 auf 2009 der Anteil der Onli­ner um 4 Pro­zent­punkte gestie­gen ist, so dass 2009 rund 46,3 Mil­lio­nen Men­schen über 14 Jahre die Mög­lich­keit haben, von der digi­ta­len Welt zu par­ti­zi­pie­ren. Bei den Alters­grup­pen ist aller­dings immer noch eine starke Abstu­fung zu erken­nen. Wäh­rend bei den 14– bis 29jährigen 94,5 % das Inter­net nut­zen, sind es bei den 30– bis 49jährigen nur noch 85 %, bei den über 50jährigen sogar nur noch 44,9 %. Aller­dings nimmt die Nut­zung in allen Berei­chen ste­tig zu. Bei den soge­nann­ten Bes­tA­gern ab 50 Jah­ren um knappe 5 % inner­halb eines Jahres.

Sehr erstaun­lich ist, dass es starke Abwei­chun­gen des Onliner-Anteils in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern bzw. zwi­schen Ost– und West­deutsch­land gibt. Wäh­rend bei­spiels­weise in Bre­men 74,2 % der Bevöl­ke­rung das Inter­net nut­zen, sind es in Sachsen-Anhalt, das auf dem letz­ten Platz lan­dete, nur 60,7 %.

In der aktu­el­len Stu­die der Initia­tive wurde nun die digi­tale Gesell­schaft Deutsch­lands in Nut­zer­grup­pen auf­ge­teilt. Die Befra­gung wurde von TNS Infra­test bei 1.014 Per­so­nen deutsch­land­weit durch­ge­führt. Dabei sind 6 Typen iden­ti­fi­ziert worden:

Die digi­ta­len Außen­sei­ter (35 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 62,5 Jahre
  • Vor­wie­gend weib­lich (66 %)
  • Über­wie­gend geringe for­male Bildung
  • Vor­wie­gend nicht berufs­tä­tig (74 %)
  • Unter­durch­schnitt­li­ches Haushaltseinkommen
  • Leben groß­teils in Ein– und Zwei-Personen-Haushalten (78 %, davon 34 % in Ein-Personen-Haushalten)

Gele­gen­heits­nut­zer (30 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 41,9 Jahre
  • Leicht erhöh­ter Frau­en­an­teil (55 %)
  • Über­wie­gend ein­fa­che und mitt­lere for­male Bildung
  • Gerin­ger Anteil von Berufs­tä­ti­gen (56 %)
  • Durch­schnitt­li­ches Haushaltseinkommen
  • Leben über­wie­gend in Part­ner­schaf­ten oder in Fami­lien (88 % – Haus­halte mit zwei und mehr
Personen)

Berufs­nut­zer (9 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 42,2 Jahre
  • Gerin­ger Män­ner­über­hang (52 %)
  • Haupt­säch­lich ein­fa­che und mitt­lere for­male Bildung
  • Höchs­ter Anteil von Berufs­tä­ti­gen (85 %)
  • Über­durch­schnitt­li­ches Haus­halts­ein­kom­men (33 % ver­die­nen über Euro 2.500,- pro Monat)
  • Leben über­wie­gend in Part­ner­schaf­ten oder in Fami­lien (84 % – Haus­halte mit zwei und mehr Per­so­nen, 52 % mit drei und mehr Per­so­nen im Haushalt)

Trend­nut­zer (11 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 35,9 Jahre
  • Stark erhöh­ter Män­ner­an­teil (78 %)
  • Mitt­lere for­male Bil­dung (40 %) und hoher Schü­le­ran­teil (13 %)
  • Eher berufs­tä­tig (65 %), aber auch hoher Schü­le­ran­teil (13 %)
  • Über­durch­schnitt­li­ches Haus­halts­ein­kom­men (34 % ver­die­nen über Euro 2.500,- pro Monat)
  • Leben über­wie­gend in Fami­lien (56 % mit drei und mehr Per­so­nen im Haus­halt) oder in Partnerschaften

Digi­tale Pro­fis (12 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 36,1 Jahre
  • Vor­wie­gend männ­lich (66 %)
  • Hohe for­male Bil­dung (40 % mit Hochschulabschluss)
  • Hoher Anteil berufs­tä­tig (81 %)
  • Stark über­durch­schnitt­li­ches Haus­halts­ein­kom­men (51 % ver­die­nen über Euro 2.500,- pro Monat)
  • Leben über­wie­gend in Part­ner­schaf­ten oder in
Fami­lien (85 % – Haus­halte mit zwei und mehr
Per­so­nen, davon 33 % Zwei-Personen-Haushalte)

Digi­tale Avant­garde (3 % der Gesamtbevölkerung)

  • Durch­schnitts­al­ter 30,5 Jahre
  • Erhöh­ter Män­ner­an­teil (60 %)
  • Hohe for­male Bil­dung (40 % mit Hoch­schul­ab­schluss) und 9 % Schüler
  • Vor­wie­gend berufs­tä­tig (74 %)
  • Leicht unter­durch­schnitt­li­ches Haus­halts­ein­kom­men (52 % ver­die­nen unter Euro 2.000,- pro Monat)
  • Hoher Sin­gle­an­teil (26 % leben in Ein-Personen-Haushalten)

Diese Ergeb­nisse sind vor allem für die Aus­rich­tung von Unter­neh­men die Mar­ke­ting­maß­nah­men betref­fend inter­es­sant, da deut­lich wird, dass die Mehr­heit der Deut­schen noch nicht wirk­lich in der Online-Welt ange­kom­men ist. Immer­hin 65 % zäh­len zu den Digi­ta­len Außen­sei­tern oder den Gele­gen­heits­nut­zern, nut­zen das Inter­net also gar nicht bzw. nur bedingt. Was nicht über­rascht, ist das Durch­schnitts­al­ter, wel­ches in der Gruppe der Digi­ta­len Außen­sei­ter, die gleich­zei­tig die stärkste Gruppe dar­stellt, bei 62,4 Jah­ren liegt.

Die Initia­tive D21 besteht aus einem Netz­werk von rund 200 Unter­neh­men, wel­ches das Ziel ver­folgt, Deutsch­land in der Welt des 21. Jahr­hun­derts gesell­schaft­lich und wirt­schaft­lich erfolg­reich zu machen. Dies soll mit ver­schie­de­nen gemein­nüt­zi­gen Pro­jek­ten gesche­hen. Wie die Stu­di­en­er­geb­nisse zei­gen, ist dies vor allem im Bereich der älte­ren Nut­zer­grup­pen von Nöten.

Down­load der Stu­die (direk­ter PDF-Link)

Potenzial-Index: Infra­struk­tur, Inter­net­zu­gang, Kom­pe­tenz, Wissen

Digitale Gesellschaft Deutschland

Woanders wird gesagt …

  1. Studie: Internet verschönert das Leben | Kreatives Leipzig - geschrieben am 19. April 2010 um 12:11 Uhr

    […] Nach­ho­le­be­darf bei den älte­ren Men­schen wird hier wie­der ein­mal deut­lich, der neu­lich schon in der Stu­die zur Digi­ta­len Gesell­schaft in Deutsch­land auf­ge­zeigt wor­den ist: Von den Befrag­ten bis 29 Jahre sind 92 % online, bei den Senio­ren ab 65 […]

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