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Phonecase aus der Mikrowelle: Mein erster 3D-Print (Ein Erfahrungsbericht)

07.05.2014

Seit Anfang des Jah­res bin ich stol­zer Besit­zer eines Fair­pho­nes. Wer es nicht kennt: Das Fair­phone ist eine Initia­tive einer hol­län­di­schen Stif­tung und soll zei­gen, dass moderne Smart­phone auch fair pro­du­ziert wer­den kön­nen, das heißt ohne Kon­flikt­mi­ne­ra­lien und gefer­tigt in Fabri­ken, wo ver­gleichs­weise hohe soziale und öko­lo­gi­sche Stan­dards geran­tiert wer­den. Damit das gute Teil nicht das Schick­sal sei­ner Vor­gän­ger erlei­det, bestellte ich mir zum Tele­fon auch noch eine Case – nur lei­der gab es da bei der Lie­fe­rung Pro­bleme und es kam nie bei mir an. Fair­phone ent­schul­digte sich drei­mal, über­wies mir mein Geld zurück und gab mir den Rat­schlag, dass ich mir ja ein Case per 3D-Druck selbst her­stel­len könnte. Dazu gab’s noch einen Link zu einer Crowdsourcing-Plattform, wo sich andere schon damit aus­ein­an­der gesetzt hat­ten und ent­spre­chende Dateien “druck­fer­tig” anbo­ten, sowie den Link zu 3D Hubs, um mir einen Dru­cker in der Nähe suchen zu können.

Nun weiß ich, dass letz­tes Jahr sogar schon eine Hand­feu­er­waffe per 3D-Druck pro­du­ziert wurde. Auch hatte ich schon mal einen Dru­cker gese­hen, der gerade eine Figur aus einem Com­pu­ter­spiel drei­di­men­sio­nal Schicht um Schicht spritzte. Jetzt aber über eine Web­site ein Case für das Tele­fon zu bestel­len, war dann doch eine andere Num­mer. Dachte ich zumin­dest, aber der Bestell­pro­zess war ziem­lich ein­fach und bin­nen einer Stunde mel­dete sich Sebas­tian Fried­rich, des­sen Dru­cker ich auf 3D-Hubs aus­ge­wählt hatte, bei mir. Mit der hoch­ge­la­de­nen Datei konnte er zu mei­ner Über­ra­schung pro­blem­los arbei­ten, wollte aber die Struk­tu­ren an den ver­schleiß­an­fäl­li­gen Ecken noch ein wenig nach­bes­sern. Die Neu­gier in mir siegte und ich bot an, doch gleich mal selbst vor­bei zu kom­men, um mir zei­gen zu las­sen, worum es geht.

Die Firma von Sebas­tian, 3ddrucken24, resi­diert seit letz­tem Jahr im Gewer­be­hof Naum­bur­ger Straße 38 in Plag­witz. Dort ste­hen auch zwei 3D-Drucker vom Typ Ultimaker2, die optisch und von der Größe her an eine Mikro­welle erin­nern. Die Firma möchte neben 3D-Druckleistungen mit­tel­fris­tig Kin­dern erlau­ben, ihre eige­nen Spiel­sa­chen zu ent­wer­fen und dann selbst “aus­zu­dru­cken” (Tin­ker­Toys). Ein tol­les Kon­zept – vor allem, wenn man bedenkt, was die Knirpse spie­le­risch dabei alles ler­nen kön­nen. Am Bild­schirm zeigte mir Sebas­tian dann aus allen Win­keln mein künf­ti­ges Case und wo er am Rand noch etwas nach­ge­bes­sert hat. Er zeigte mir, wie das von mir im Online-Bestellprozess aus­ge­wählte Mate­rial aus­sieht und sich anfühlt. Per Knopf­druck ging es dann gleich dar­auf los. Nach kur­zer Auf­wärm­zeit fängt der Dru­cker an, Schicht und Schicht zu sprit­zen. Minute um Minute wächst mein Case hin­ter dem Sicht­schutz, was aller­dings am Ende rund drei Stun­den wer­den. Da sich die Fas­zi­na­tion ähn­lich schnell abbaut, wie zum ers­ten Mal einer Wasch­ma­schine mit Guck­loch zuzu­schauen, beschließe ich, den Dru­cker lie­ber sei­nen Job machen zu las­sen und in ein paar Tagen wiederzukommen.

Tele­fon und Case haben mitt­ler­weile zusam­men­ge­fun­den. Etwas Bam­mel hatte ich ja noch, ob das Tele­fon auch tat­säch­lich ins Case pas­sen würde. Aber auch diese Angst war völ­lig unbe­grün­det. Dank Platt­for­men wie 3D Hubs ist ein drei­di­men­sio­na­ler Druck mitt­ler­weile selbst wie tech­nisch schnell über­for­derte Men­schen wie mich wirk­lich kein Pro­blem. Kein Wun­der, dass viele in 3D-Druckverfahren die nächste indus­tri­elle Revo­lu­tion sehen.

Autor: Frank Trepte