
Bericht vom Fachtag Musik
Am 1. Oktober 2011 fand in der Dresdner Scheune der 2. Sächsische Fachtag Musik statt und eine kleine Delegation vom Kreativen Leipzig bzw. unserer popoolär-Initiative für Musik aus Leipzig war dabei. Der Vormittag bestand aus drei Fachvorträgen und begann mit der Vorstellung der Spielstättenstudie der Initiative Musik. Hier wurde die ökonomische Situation von Live-Musik-Clubs und Veranstaltungshäusern in fünf Bundesländern untersucht, darunter auch Sachsen. Bei der nächsten Runde mit Leipziger Clubbetreibern und Veranstaltern wird die Studie auch in Leipzig vorgestellt werden, daher sollen an dieser Stelle noch keine Details genannt werden.
Den zweiten Vortrag bestritt Prof. Dr. Carsten Winter von der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Er forscht zu medialen Geschäftsmodellen in komplexen und oft widersprüchlichen Kommunikationszusammenhängen und verdeutlichte seine Ergebnisse anhand der Musikwirtschaft. Aufgrund der Digitalisierung und auch Demokratisierung des Marktes haben sich klassische Marktmechanismen überholt, Netzwerke und vor allem Reputation (Credibility) werden hingegen zu immer wichtigeren Erfolgsfaktoren, so seine These. Um wirtschaftliche Themen, jedoch eher die der Nachtökonomie, sprach anschließend Jakob Schmid (stadtnachacht.de) und zeigte in seinem Referat auf, wie die lokale Gastronomie und Hotellerie von Live-Musik und Clubkultur profitiert – ein oft übersehener Fakt in Diskussionen, die sich sonst eher um Lärmemissionen und öffentliche Ordnung drehen.
Nach Mittagspause und einer cross-medialen Darbietung eines deutsch-polnischen Jugendprojekts des Steinhaus Bautzen stand am Nachmittag dann der Austausch untereinander im Vordergrund. Bei der Diskussionsrunde zur Förderung neuer Talente wurden mögliche Anknüpfungspunkte und Synergien zwischen den Akteuren diskutiert. Hier wird das im November 2011 startende Projekt „Flying Circus“ (Maßnahmeträger ist Kreatives Leipzig eV) eine wesentliche Rolle einnehmen.
Im letzten Diskussionsblock standen dann wieder die Spielstätten im Vordergrund. Anika Jankowski präsentierte Ergebnisse ihrer Master-Arbeit, bei der sie Spielstätten-Verbände in anderen Bundesländern und EU-Staaten untersuchte, und Magnus Hecht (Geschäftsführer Scheune eV) berichtete von der Gründung einer Interessensgemeinschaft Live-Kultur auf Bundesebene zwei Wochen vorher (am Rande des Reeperbahnfestivals). Mehrheitlich kamen die Teilnehmenden überein, auch in Sachsen eine entsprechende IG Live-Musik ins Leben zu rufen. Bleibt zu erwarten, ob diese Struktur in der Lage sein wird, auf Landesebene eine Reformierung von Bestimmungen zu erreiche, die wie bspw. das Tanzverbot an bestimmten Feiertagen oder einer Parkplatzabgabe für Clubs, deren Gäste anders als bei der Oper mehrheitlich nicht mit dem Auto vorfahren, heute nicht mehr zeitgemäß sind.
