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Jetzt wird’s persönlich: Die österr. Kreativwirtschaft & Parallelen zu Leipzig

24.05.2010

Bevor ich auf Leip­zig und einige sehr per­sön­li­che Gedan­ken zu spre­chen komme, machen wir heute mal einen Abste­cher in den Süden, genauer gesagt nach Öster­reich. Dort hat FAS.research im Auf­trag der arge crea­tiv wirt­schaft aus­tria (CWA) im Rah­men von evolve eine Stu­die zur Ver­net­zung der dor­ti­gen Krea­tiv­wirt­schaft durch­ge­führt. Für die Erhe­bung wur­den 350 Krea­tive gefragt, wer in der Bran­che ein beson­ders hohes Anse­hen genießt. Das Ergeb­nis sind 908 in der Krea­tiv­wirt­schaft tätige Per­so­nen, die zusam­men ein Netz­werk bil­den, sowie die Erkennt­nis, dass die Bran­che als sol­che real existiert.

Her­aus­ste­chend sind die regio­na­len Unter­schiede. So agie­ren 410 der 908 genann­ten Per­so­nen in Wien, was den Rück­schluss dar­auf zulässt, dass ein länd­li­ches Umfeld zum einen weni­ger attrak­tiv zum Arbei­ten ist bzw. dort die Netz­werke weni­ger aus­ge­prägt sind als in einem städ­ti­schen Umfeld. Weit abge­schla­gen folgt Ober­ös­ter­reich mit 130 Nen­nun­gen. Die ande­ren Bun­des­län­der errei­chen noch weni­ger Nen­nun­gen. Kärn­ten ist Schluss­licht mit ledig­lich 12.

Bran­chen­sei­tig sind vor allem Design und Gra­fik mit 189, sowie PR und Wer­bung mit 158 Nen­nun­gen am stärks­ten. In einem Inter­view mit the­gap erklärt Harald Katz­mair, der die Stu­die im Auf­trag der CWA durch­ge­führt hat:

»Das Design ist die Bran­che mit dem größ­ten Ver­net­zungs­po­ten­tial. Man könnte über­trie­ben sagen, über­all wo Krea­ti­vi­tät drauf steht, ist Design drin­nen. Natür­lich sind auch Medien und PR eine hori­zon­tal, über unter­schied­li­che Wert­schöp­fungs­ket­ten ver­teilte, an unter­schied­li­chen Wert­schöp­fungs­tei­len ando­ckende Pro­fes­sion. Mode, Film, Musik ist hier „loka­ler“ oder bes­ser gesagt sek­to­ra­ler auf­ge­stellt und damit in einem gerin­ge­ren Aus­maß mit ande­ren Bran­chen und Sze­nen im Austausch.«

Die Visua­li­sie­rung des Gesamt­net­zes zeigt die Ver­net­zung noch ein­mal deut­lich. Es gibt einen star­ken Mit­tel­punkt und keine Iso­la­tion von Bran­chen oder Gruppen:

Gesamtnetz Kreativwirtschaft Österreich

Beson­ders inter­es­sant ist die unter­suchte Iden­ti­täts­bil­dung im Ver­hält­nis zu der Anzahl der vor­han­de­nen Akteure in den ein­zel­nen Branchen:

Design & Gra­fik: Viele Akteure, gering aus­ge­prägte Iden­ti­tät. Design ist eine Quer­schnitts­ma­te­rie, äußerst hete­ro­gen, getrennte Com­mu­nities, zum Teil star­ker Kon­kur­renz­druck, der die Bil­dung einer gemein­sa­men Iden­ti­tät erschwert.

PR & Wer­bung: Viele Akteure, etwas stär­kere Ver­net­zung als beim Design, ins­ge­samt aber eben­falls gering aus­ge­prägte Identität.

Bei Musik, Mode, Archi­tek­tur, Medien– und Ver­lags­we­sen sieht es dage­gen so aus:
Musik­wirt­schaft und Mode: Gerin­gere Anzahl von Akteu­ren, aber starke Ver­net­zung, Iden­ti­tät und Geschlos­sen­heit.
Archi­tek­tur, Medien– und Ver­lags­we­sen haben noch weni­ger Akteure, wei­sen aller­dings eben­falls eine rela­tiv starke Ver­net­zung, Iden­ti­tät und Geschlos­sen­heit auf.

Die wei­ter­hin unter­such­ten Clus­ter wie All­ge­mein, Mul­ti­me­dia, Film, Foto­gra­fie, Bera­tung und Trai­ning, Wis­sen­schaft kön­nen weder mit vie­len Akteu­ren, noch mit einer star­ken Iden­ti­tät dienen.

Und genau das ist der Punkt, wieso ich diese Stu­die hier auf­greife: In Leip­zig ver­hält es sich ähnlich.

Bei Musik und Mode funk­tio­niert es auch hier vor Ort recht gut. Aber beson­ders die Berei­che Design, Gra­fik, PR und Wer­bung sind in Leip­zig zwar sehr stark ver­tre­ten, jedoch gibt es auch hier, ähn­lich wie in Öster­reich, nur eine gering aus­ge­prägte Iden­ti­tät. Um genau zu sein war die­ser Aspekt sogar der Grund­ge­danke, um Krea­ti­ves Leip­zig ins Leben zu rufen.

Es gibt hier wirk­lich viele tolle Leute, die rich­tig gut sind in dem, was sie tun, aber häu­fig ken­nen sie sich unter­ein­an­der nicht oder arbei­ten sogar – teils grund­los – gegen­ein­an­der statt mit­ein­an­der. Die­ser Umstand ist wirk­lich schade, da sich dadurch die Bran­che selbst das Leben schwer macht und erheb­li­ches Poten­tial ver­schenkt wird oder ein­fach ver­pufft. Als Frei­be­ruf­le­rin (und das auch noch in ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen) hänge ich irgendwo dazwi­schen und bekomme diese Zer­split­te­rung fast tag­täg­lich zu spü­ren und das zum Teil mit vol­ler Wucht. Mein erklär­tes Ziel ist es also, dies zu ändern. Ob es klappt? Ich weiß es nicht. Viele Gesprä­che in den letz­ten Wochen mit den ver­schie­dens­ten Leu­ten in den ver­schie­dens­ten Posi­tio­nen haben aller­dings gezeigt, dass Ver­net­zung durch­aus gewollt und vor allem not­wen­dig ist. Die ers­ten Ansätze wur­den in den Gesprä­chen eben­falls gemacht und aus einer Idee mei­ner­seits wird lang­sam ein kon­kre­tes Ziel, des­sen Umset­zung in den nächs­ten Wochen begin­nen soll. Einige Part­ner, die sich an der Umset­zung betei­li­gen möch­ten, sind schon gefun­den, einige gilt es noch ins Boot zu holen. Sobald die Zeit reif dafür ist, werde ich natür­lich auch hier ent­spre­chend dar­über schreiben.

In die­sem Sinne möchte ich auch ein rie­sen­gro­ßes Dan­ke­schön an alle los­wer­den, die Krea­ti­ves Leip­zig und den Ansatz dahin­ter jetzt schon unterstützen!

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Hier geht’s zur kom­plet­ten Studie.

Kreatives Leipzig Kreativwirtschaft

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