
Jetzt wird’s persönlich: Die österr. Kreativwirtschaft & Parallelen zu Leipzig
Bevor ich auf Leipzig und einige sehr persönliche Gedanken zu sprechen komme, machen wir heute mal einen Abstecher in den Süden, genauer gesagt nach Österreich. Dort hat FAS.research im Auftrag der arge creativ wirtschaft austria (CWA) im Rahmen von evolve eine Studie zur Vernetzung der dortigen Kreativwirtschaft durchgeführt. Für die Erhebung wurden 350 Kreative gefragt, wer in der Branche ein besonders hohes Ansehen genießt. Das Ergebnis sind 908 in der Kreativwirtschaft tätige Personen, die zusammen ein Netzwerk bilden, sowie die Erkenntnis, dass die Branche als solche real existiert.
Herausstechend sind die regionalen Unterschiede. So agieren 410 der 908 genannten Personen in Wien, was den Rückschluss darauf zulässt, dass ein ländliches Umfeld zum einen weniger attraktiv zum Arbeiten ist bzw. dort die Netzwerke weniger ausgeprägt sind als in einem städtischen Umfeld. Weit abgeschlagen folgt Oberösterreich mit 130 Nennungen. Die anderen Bundesländer erreichen noch weniger Nennungen. Kärnten ist Schlusslicht mit lediglich 12.
Branchenseitig sind vor allem Design und Grafik mit 189, sowie PR und Werbung mit 158 Nennungen am stärksten. In einem Interview mit thegap erklärt Harald Katzmair, der die Studie im Auftrag der CWA durchgeführt hat:
»Das Design ist die Branche mit dem größten Vernetzungspotential. Man könnte übertrieben sagen, überall wo Kreativität drauf steht, ist Design drinnen. Natürlich sind auch Medien und PR eine horizontal, über unterschiedliche Wertschöpfungsketten verteilte, an unterschiedlichen Wertschöpfungsteilen andockende Profession. Mode, Film, Musik ist hier „lokaler“ oder besser gesagt sektoraler aufgestellt und damit in einem geringeren Ausmaß mit anderen Branchen und Szenen im Austausch.«
Die Visualisierung des Gesamtnetzes zeigt die Vernetzung noch einmal deutlich. Es gibt einen starken Mittelpunkt und keine Isolation von Branchen oder Gruppen:
Besonders interessant ist die untersuchte Identitätsbildung im Verhältnis zu der Anzahl der vorhandenen Akteure in den einzelnen Branchen:
Design & Grafik: Viele Akteure, gering ausgeprägte Identität. Design ist eine Querschnittsmaterie, äußerst heterogen, getrennte Communities, zum Teil starker Konkurrenzdruck, der die Bildung einer gemeinsamen Identität erschwert.
PR & Werbung: Viele Akteure, etwas stärkere Vernetzung als beim Design, insgesamt aber ebenfalls gering ausgeprägte Identität.
Bei Musik, Mode, Architektur, Medien– und Verlagswesen sieht es dagegen so aus:
Musikwirtschaft und Mode: Geringere Anzahl von Akteuren, aber starke Vernetzung, Identität und Geschlossenheit.
Architektur, Medien– und Verlagswesen haben noch weniger Akteure, weisen allerdings ebenfalls eine relativ starke Vernetzung, Identität und Geschlossenheit auf.
Die weiterhin untersuchten Cluster wie Allgemein, Multimedia, Film, Fotografie, Beratung und Training, Wissenschaft können weder mit vielen Akteuren, noch mit einer starken Identität dienen.
Und genau das ist der Punkt, wieso ich diese Studie hier aufgreife: In Leipzig verhält es sich ähnlich.
Bei Musik und Mode funktioniert es auch hier vor Ort recht gut. Aber besonders die Bereiche Design, Grafik, PR und Werbung sind in Leipzig zwar sehr stark vertreten, jedoch gibt es auch hier, ähnlich wie in Österreich, nur eine gering ausgeprägte Identität. Um genau zu sein war dieser Aspekt sogar der Grundgedanke, um Kreatives Leipzig ins Leben zu rufen.
Es gibt hier wirklich viele tolle Leute, die richtig gut sind in dem, was sie tun, aber häufig kennen sie sich untereinander nicht oder arbeiten sogar – teils grundlos – gegeneinander statt miteinander. Dieser Umstand ist wirklich schade, da sich dadurch die Branche selbst das Leben schwer macht und erhebliches Potential verschenkt wird oder einfach verpufft. Als Freiberuflerin (und das auch noch in verschiedenen Disziplinen) hänge ich irgendwo dazwischen und bekomme diese Zersplitterung fast tagtäglich zu spüren und das zum Teil mit voller Wucht. Mein erklärtes Ziel ist es also, dies zu ändern. Ob es klappt? Ich weiß es nicht. Viele Gespräche in den letzten Wochen mit den verschiedensten Leuten in den verschiedensten Positionen haben allerdings gezeigt, dass Vernetzung durchaus gewollt und vor allem notwendig ist. Die ersten Ansätze wurden in den Gesprächen ebenfalls gemacht und aus einer Idee meinerseits wird langsam ein konkretes Ziel, dessen Umsetzung in den nächsten Wochen beginnen soll. Einige Partner, die sich an der Umsetzung beteiligen möchten, sind schon gefunden, einige gilt es noch ins Boot zu holen. Sobald die Zeit reif dafür ist, werde ich natürlich auch hier entsprechend darüber schreiben.
In diesem Sinne möchte ich auch ein riesengroßes Dankeschön an alle loswerden, die Kreatives Leipzig und den Ansatz dahinter jetzt schon unterstützen!
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Hier geht’s zur kompletten Studie.

