Produkttest: wacom inkling

Heute gibt’s mal was anderes: Und zwar habe ich von wacom die Möglichkeit bekommen, den inkling zu testen. Wer wacom kennt, hat meist Grafiktabletts im Kopf. In eine ähnliche Richtung geht auch der Inkling, jedoch besteht das Gerät nur aus einem Zeichenstift und einem Empfänger, der oben ans Papier geklemmt wird.  Ziel ist es, analog zu skizzieren und das Ganze dann gleichzeitig zu digitalisieren. Zielgruppe dürften also Grafiker, Illustratoren, Architekten und auch ansonsten alle sein, die Skizzen und Zeichnungen anfertigen. Spezialpapier ist nicht nötig.

Kurz zu den Spezifikationen: Der inkling wird mit einem Etui geliefert, was in etwa die Größe eines sehr schmalen Brillen-Etuis besitzt und gleichzeitig als Ladestation dient. Dort kann man den Stift und den Empfänger verstauen und es finden sich noch 4 Ersatzminen sowie das USB-Kabel zur Übertragung auf den Rechner darin. Alles in allem ist das Ganze sehr leicht und handlich und eignet sich super zum Mitnehmen neben dem Notizbuch. Laut wacom hält der Akku des Stiftes bis zu 15 Stunden, der des Empfängers bis zu 8 Stunden. Die Ladedauer ist mit bis zu 3 Stunden angegeben.

Die Handhabung:

Damit der Empfänger nicht verrutscht, sollte man diesen an mehrere Blätter klammern. Im mitgelieferten Manager-Programm kann man außerdem voreinstellen, an welcher Seite des Blattes man den Empfänger anbringen möchte – je nach Schreib-/Zeichen-Gewohnheiten. Mit einem Tastendruck ist der Empfänger eingeschaltet und der Stift schaltet sich selbst ein, sobald man ihn auf das Blatt aufgesetzt hat. Die ersten Striche werden allerdings unter Umständen noch nicht mit aufgezeichnet. Der Stift ist recht dick, weshalb das für viele anfangs etwas ungewohnt sein dürfte. Außerdem funktioniert er mit Kugelschreiber-Minen. Wer also normalerweise mit Copic-Finelinern o.ä. arbeitet, muss sich auch hier umstellen, da ausschließlich Kuli-Minen verwendet werden können.
Das Schöne: Es gibt schon während des Zeichnens die Möglichkeit, Ebenen zu erstellen. Mit einem Knopfdruck auf die rechte Seite des Empfängers wird eine neue Ebene erstellt. Zeichnen kann man auf einer Fläche bis zur Größe A4 und der Stift unterscheidet bis zu 1024 Druckstufen.

Vom Blatt auf den Rechner:

Ist man mit der Skizze fertig,  steckt man den Empfänger in das Etui und das Etui dann per USB-Kabel an den Computer. Die mitglieferte Software startet auf dem Mac automatisch (windows habe ich nicht getestet) und liest auch automatisch die Skizzen ein. Die Software an sich hat ansonsten wenig eigene Funktionen, was aber nicht so dramatisch ist, da die Nutzer wahrscheinlich sowieso Grafikprogramme auf ihrem Computer haben. Sehr schön ist die direkte Exportfunktion nach Photoshop und Illustrator. Unterstütze Programme sind: Adobe Photoshop oder Illustrator (CS3+), Autodesk SketchBook Pro oder SketchBook Designer (2011+).

Ich habe im Illustrator getestet und dort sind sowohl die angelegten Ebenen vorhanden, als auch die Elemente in Pfaden. Importiert wird mit einem Kalligraphie-Pinsel, um die Strichstärken zu simulieren.

Was sofort negativ auffällt sind die vielen Ankerpunkte, die erstellt werden. Das ist zum einen verständlich, macht aber zum anderen eine Bearbeitung sehr sehr mühsam. Um grafisch sauber mit so wenig Ankerpunkten wie möglich zu arbeiten, sollte man wohl doch auf herkömmliche Methoden zurückgreifen und Grafiken einscannen und nachbauen.

Was bei mir außerdem der Fall war: Die Striche wirken immer recht wackelig und nicht exakt. Teilweise waren die Ergebnisse wirklich verschoben. Das mag daran liegen, dass sich das Papier bei beim Zeichnen bewegt. Genau sagen kann ich es aber nicht – zumal wacom den inkling ja auch als “für unterwegs”-Produkt anpreist. Dort habe ich wahrscheinlich in den seltensten Fällen einen ruhigen, geraden Untergrund mit einem sich nicht bewegenden Blatt zur Verfügung. Eventuell ist es aber auch nur Gewöhnungssache. Um dazu etwas sagen zu können, wäre ein längerer Test notwendig.

Fazit?

Um unterwegs schnelle Skizzen anzufertigen und diese gleich zu digitalisieren, ist der inkling ein wunderbares Produkt. Mein Ziel wären jetzt eher typographische und illustratorische Dinge gewesen, allerdings denke ich, dass der Stift dazu nicht präzise genug arbeitet. Das Produkt an sich ist aber auf jeden Fall sehr innovativ und wird hoffentlich schnell weiter entwickelt. Das Potenzial ist da und für alle, die wie ich trotz iPad und Co Papier mögen, wäre das eine schöne Brücke, um die Entwürfe ohne Scanner schnell ins Grafikprogramm zu bekommen.

Kommentare (1)

 

  1. Melanie sagt:

    Schöner Beitrag, beantwortet all die Gedanken & Fragen, die ich mir zum Produkt auch gestellt habe.

    So fällt das eigene Fazit leichter.

    Danke.

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