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Wie Communitys Unternehmen verbessern — Gastbeitrag von Peter Bihr

14.05.2011

Soziale Netz­werke
Wie Com­mu­ni­tys Unter­neh­men verbessern

Facebook-Gewinnspiele sind nicht genug: Wenn Unter­neh­men soziale Netz­werke für sich nut­zen wol­len, müs­sen sie sich der Kom­ple­xi­tät die­ser neuen Welt stel­len. Nur dann wer­den sie Erfolg haben.

Es ver­geht kein Tag, an dem nicht ein wei­te­res gro­ßes Unter­neh­men eine Facebook-Präsenz star­tet, dies per Pres­se­mit­tei­lung ver­kün­det und in dem sich die Mit­ar­bei­ter anschlie­ßend fra­gen: Und nun? Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand spre­chen die Ange­stell­ten Klar­text. „Wir müs­sen was auf Face­book machen“, ist häu­fig die fast schon ängst­li­che Ansage, die an Stelle einer Stra­te­gie die Tak­tik dik­tiert. Ein eng­li­sches Sprich­wort besagt: Angst ist ein schlech­ter Rat­ge­ber. So oder so aber gilt: Social Media sind das Gebot der Stunde. Aber die soge­nann­ten „sozia­len Medien“ verschwinden.

Social Media gehen nicht weg, sie gehen auf – in Diens­ten, Pro­duk­ten, Struk­tu­ren. Sie wer­den inte­griert, essen­zi­el­ler Teil eines jeden Unter­neh­mens. Und ver­schwin­den damit aus dem Schein­wer­fer­licht, wer­den all­ge­gen­wär­tig. In ande­ren Wor­ten: Social Media wer­den erwach­sen, eine Schicht sozia­ler Inter­ak­tion, die sich über alle Berei­che eines Unter­neh­mens hin erstreckt: Ein „Social Layer“.

Iso­lierte, insze­nierte Maßnahmen

Was heißt das kon­kret? Wir wer­den auch in den kom­men­den Jah­ren wei­ter­hin Gewinn­spiele sehen, mit denen Fir­men ver­su­chen, Tau­sende von Facebook-Fans und Twitter-Followern zu sam­meln, nur um anschlie­ßend zu mer­ken, dass sie nicht wis­sen, was sie mit ihnen anfan­gen sol­len. Wir wer­den wei­ter­hin Pres­se­mit­tei­lun­gen lesen, die den ers­ten Tweet von Poli­ti­kern beglei­ten, auf dass sie als modern und inno­va­ti­ons­freund­lich wahr­ge­nom­men wür­den. Nur wer­den sich diese iso­lier­ten, insze­nier­ten Maß­nah­men zuneh­mend archa­isch anfüh­len, abge­stan­den, alt. Das glei­che gilt frei­lich für die Legio­nen von Social-Media-Beratern, die sich für einige kurze Jahre genau hier­auf spe­zia­li­siert hatten.

Die Gewin­ner wer­den statt­des­sen die Unter­neh­men sein, die sich voll auf die­ses neue Spiel ein­las­sen. Die sich der Kom­ple­xi­tät stel­len, bereit sind, etwas Kon­trolle abzu­ge­ben im Aus­tausch für Aus­tausch. Die Neues tes­ten, selbst wenn es nicht zwangs­läu­fig auf die Sales-Statistik ein­zahlt. Die interne Struk­tu­ren und Pro­zesse so anpas­sen, dass sie das Feed­back von ihren Kun­den nicht nur auf­neh­men, son­dern auch direkt anwen­den kön­nen, in allen Berei­chen vom Kun­den­ser­vice bis Pro­dukt­ent­wick­lung und Marketing.

Per­ma­nent mit Nut­zern austauschen

Wie das in der Pra­xis aus­se­hen kann, zei­gen uns schon heute beson­ders Start-ups, die intui­tiv wis­sen, wie sie sich das soziale Geflecht zu Nutze machen kön­nen. Die ihre Com­mu­nities nicht nur ken­nen, son­dern ihr Han­deln kom­plett dar­auf aus­rich­ten, die­sen zu die­nen. Wo frü­her Mar­ke­ting­ab­tei­lung und Manage­ment anti­zi­pie­ren muss­ten, was ihre Kun­den sich wün­schen wür­den, kön­nen smarte Unter­neh­men heute ohne zuver­läs­sig wis­sen, was von ihnen tat­säch­lich erwar­tet wird: Wer sich per­ma­nent mit sei­nen Nut­zern aus­tauscht, erfährt aus ers­ter Hand, was diese sich wünschen.

Die Stars die­ser neuen Welt sind die Community-Manager. Sie sind der erste Kon­takt­punkt zum Unter­neh­men und ihr pro­mi­nen­tes­tes Gesicht. Ihre Zustän­dig­kei­ten rei­chen von Cust­o­mer Sup­port über Mar­ke­ting bis hin zur Pro­dukt­ent­wick­lung und Kri­sen­kom­mu­ni­ka­tion. Wer heute ein inter­net­ba­sier­tes Pro­dukt launcht, kommt ohne Community-Manager nicht aus. Leicht ist es nicht, diese Stel­len ver­nünf­tig ein­zu­rich­ten, denn gute Per­so­nen für diese Stelle zu fin­den ist nicht ein­fach. Stu­di­en­gänge oder Aus­bil­dungs­plätze hier­für gibt es bis­her prak­tisch nicht. Um den Job gut zu machen, müs­sen die Community-Manager zudem mit weit­re­chen­der Auto­no­mie und Zugang zu allen Fir­men­be­rei­chen aus­ge­stat­tet wer­den: Wer die Stelle unter dem Mar­ke­ting als wei­te­ren Output-Kanal auf­hängt wird hier nicht weit kommen.

Community-Macher als Rockstars

Community-Management ist zudem kein „9-to-5 Job“. Die bes­ten Leute in die­ser Rolle brin­gen sich per­sön­lich ein, sind rund um die Uhr auf den ein­schlä­gi­gen Platt­for­men aktiv, nut­zen das eigene Pro­dukt tag­ein, tag­aus. Wer sich einen Ein­druck ver­schaf­fen möchte, wie das in der Pra­xis aus­se­hen kann, sollte sich das Ber­li­ner Start-up Sound­cloud genauer anse­hen – hier pflegt David Noël mit sei­nem Team die Bezie­hun­gen zu der rapide wach­sen­den Soundcloud-Community, die aus Musik­pro­du­zen­ten und Kon­su­men­ten besteht, aber auch aus Pro­gram­mie­ren und Deve­l­opern, also all denen, die ein Inter­esse am Haupt­pro­dukt der Firma haben. Sie rackern sich rund um die Uhr für diese Com­mu­nity ab – und wer­den dafür wie Rock­stars gefeiert.

Es gibt hier­für kein ein­fa­ches Erfolgs­re­zept, außer: jedes Unter­neh­men muss selbst her­aus­fin­den, wie es sei­ner Com­mu­nity am bes­ten die­nen kann – anstatt das Unter­neh­men in der Wer­bung gut aus­se­hen zu las­sen. Wo Fir­men ihre Nut­zer ernst neh­men und den per­sön­li­chen Aus­tausch suchen, wer­den sie auch ernst genom­men. Und dann wird es wirk­lich spannend.

Genau wie sich die Anfor­de­run­gen an den moder­nen Arbeits­neh­mer gewan­delt haben – Bereit­schaft zum ewi­gen Ler­nen! Fle­xi­bi­li­tät! – so wan­deln sich auch die Anfor­de­run­gen an moderne Unternehmen.

Die Zeit für ein­fa­che For­meln ist vorbei.

Das ist kaum Grund für angst­ge­trie­be­nen Aktio­nis­mus. Ganz im Gegen­teil. Für Unter­neh­men, die bereit sind, sich zu ver­wan­deln bie­ten sich hier enorme Chan­cen. Die Zeit für ein­fa­che For­meln ist vor­bei. Ande­rer­seits: Noch nie zuvor hat­ten Unter­neh­men die Chance, sich so ein­fach und dau­er­haft mit ihren Kun­den und Part­nern aus­zu­tau­schen und gemein­sam zu wach­sen. Der Aus­tausch mit der Com­mu­nity kann gele­gent­lich chao­tisch sein – wert ist er den Auf­wand allemal.

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Vie­len Dank an Peter Bihr für die­sen Beitrag.

Peter Bihr ist Mit­grün­der und Geschäfts­füh­rer der Third Wave GmbH (thirdwaveberlin.com, www.facebook.com/thirdwaveberlin), einer Agen­tur für Online-Strategie und Trend­for­schung. Er berät Orga­ni­sa­tio­nen zum Thema Web­stra­te­gien. Unter sei­nem Alias “The Waving Cat” bloggt er seit Jah­ren zu sozia­len Netz­wer­ken und neuen Online-Trends.

Der Arti­kel wurde zuerst auf focus.de ver­öf­fent­licht und Krea­ti­ves Leip­zig freund­li­cher­weise zur Ver­fü­gung gestellt (http://www.focus.de/digital/internet/next-11/soziale-netzwerke-wie-communitys-unternehmen-verbessern_aid_626511.html).

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