Kul­tur­amt Leipzig // Das Kul­tur­amt infor­miert zu lau­fen­den För­de­run­gen, die von Absagen/Ausfällen im Zuge der Coro­na-Epi­de­mie betrof­fen sind
17. März 2020
#Mit­ein­an­der­Für­ein­an­der // Kri­sen­stab & Kräf­te bün­deln für die Kul­tur- und Krea­tiv­schaf­fen­den in Leipzig
18. März 2020

IG Live­Komm­bi­nat Leipzig // Aus­wir­kun­gen des Coro­na­vi­rus auf die Leip­zi­ger Club- und Musik­sze­ne und For­de­rungs­ka­ta­log

(15.03.2020) Die IG Live­Komm­bi­nat Leipzig infor­miert  // Aus­wir­kun­gen des Coro­na­vi­rus auf die Leip­zi­ger Club- und Musik­sze­ne und For­de­rungs­ka­ta­log 

Die Aus­wir­kun­gen der aktu­el­len Kri­se sind bis­her nicht abzu­schät­zen. Leip­zi­ger Clubs- und Musik­spiel­stät­ten ste­hen momen­tan vor einer nie zuvor dage­we­se­nen Situa­ti­on. Um die Aus­brei­tung des Virus zu ver­lang­sa­men, haben die meis­ten frei­wil­lig ihre Ver­an­stal­tun­gen abge­sagt. Damit über­neh­men sie, wie vie­le ande­re auch, Ver­ant­wor­tung für die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Her­aus­for­de­rung, die uns momen­tan bevor­steht.

Bei den Clubs, Veranstalter*innen und inner­halb der gesam­ten Sze­ne besteht größ­te Unsi­cher­heit. Die ein­zi­ge Gewiss­heit besteht in der aku­ten wirt­schaft­li­chen Bedro­hung: Die Zah­lungs­fä­hig­keit der Clubs hängt mas­siv von der Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen ab, da Rück­la­gen in der Regel kaum oder nicht vor­han­den sind.

Durch die jet­zi­gen tem­po­rä­ren Schlie­ßun­gen sind die meis­ten Clubs und Live-Musik-Spiel­stät­ten ganz real von der Insol­venz bedroht. Ers­te Prio­ri­tät für alle Betrof­fe­nen ist nun, lau­fen­de Aus­ga­ben soweit wie mög­lich zu sen­ken und mit den vor­han­de­nen Mit­tel so lan­ge wie mög­lich zu über­le­ben. Für nicht Weni­ge heißt das, dass in den nächs­ten Wochen offe­ne Rech­nun­gen nicht mehr begli­chen wer­den kön­nen. Spä­tes­tens zum Som­mer­loch wäre der kom­plet­te Bank­rott erreicht. Ange­sichts der exis­tenz­be­dro­hen­den Kri­se für die Clubs und Live-Musik-Spiel­stät­ten die­ser Stadt stellt sich die Fra­ge, was nach mehr­mo­na­ti­ger Zwangs­pau­se noch von der viel­fäl­ti­gen Sze­ne übrig blei­ben wird.

Die mit­tel­fris­ti­gen Fol­gen des Ver­schwin­dens etli­cher Clubs und Musik­spiel­stät­ten las­sen kaum umkehr­ba­re Aus­wir­kun­gen befürch­ten: Der sinn­stif­ten­de und gesell­schaft­lich ver­bin­den­de Wert von Clubs und Musik­spiel­stät­ten – wenn sie ein­mal ver­schwun­den sein wür­den – ist kaum zu erset­zen. Für eine Stadt wie Leipzig, die sich durch die viel­fäl­ti­ge Sze­ne defi­niert und u.a. durch stei­gen­de Besucher*innenzahlen aus aller Welt und Image­stei­ge­run­gen von die­ser pro­fi­tiert, wäre der Ver­lust nicht trag­bar.

Natür­lich wären die Clubs und Live-Musik-Spiel­stät­ten nichts ohne ihre Künstler*innen und Mitarbeiter*innen. So wür­de mit dem Ver­schwin­den der Clubs auch der Musik­ver­an­stal­tungs­sek­tor und der musi­ka­li­schen Nach­wuchs Leip­zigs nach­hal­tig Scha­den neh­men.

Wir spre­chen uns daher für schnel­le und effek­ti­ve Maß­nah­men aus, wel­che das Ren­nen in den Abgrund ver­lang­sa­men und ver­hin­dern kön­nen. Kon­kret muss die Zah­lungs­fä­hig­keit der Clubs wäh­rend der Kri­se sicher­ge­stellt wer­den. Wir set­zen dabei auf die Unter­stüt­zung durch unse­re Besucher*innnen und Sympathisant*innen und auf die Soli­da­ri­tät zwi­schen den Betreiber*innen und Bran­chen­ver­bän­den. Kon­kre­te Hilfs­mit­tel wer­den schnellst­mög­lich vor­be­rei­tet (“Soli-Ticket”).

So wie wir einen – im Moment noch frei­wil­li­gen – Bei­trag zur Ein­däm­mung des Coro­na-Virus leis­ten, erwar­ten wir, dass den Clubs- und Live-Musik­spiel­stät­ten die­ser Stadt eben­so soli­da­risch und schnell gehol­fen wird. Wir bau­en auf eine kon­struk­ti­ve und schnel­le Koor­di­na­ti­on mit der Stadt Leipzig und dem Frei­staat Sach­sen. Kon­kre­te staat­li­che Unter­stüt­zun­gen wer­den ein uner­läss­li­ches Ele­ment sein, die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se zu ver­rin­gern und die Leip­zi­ger Club- und Live-Musik-Spiel­stät­ten zu erhal­ten.

FOR­DE­RUNGS­KA­TA­LOG

An die Stadt Leipzig

Das Wich­tigs­te im Moment ist schnel­le und unbü­ro­kra­ti­sche Hil­fe, um Liqui­di­täts­eng­päs­se und dar­aus fol­gen­den Insol­ven­zen zu ver­mei­den. Dabei ist es ent­schei­dend, dass die Unter­stüt­zung inner­halb der nächs­ten zwei Wochen anläuft, da sonst die ers­ten Insol­ven­zen dro­hen.

Wei­ter­hin sind ein­heit­li­che und rechts­ver­bind­li­che Rege­lun­gen zur Zuläs­sig­keit für alle Ver­an­stal­tun­gen nötig. Die bis­he­ri­ge Umset­zung der Ein­schrän­kung von Ver­an­stal­tun­gen führt zu mehr Ver­un­si­che­rung als Klar­heit und benach­tei­ligt ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Clubs und Spiel­stät­ten.

Es ist zeit­nah die Ein­rich­tung eines Kri­sen­stabs für bedroh­te Leip­zi­ger Kul­tur­be­trie­be und Künstler*innen und die Benen­nung kom­pe­ten­ter Ansprechpartner*innen in der Ver­wal­tung nötig, um die vor uns lie­gen­den Auf­ga­ben schnell und ziel­füh­rend zu lösen. Hier könn­te auch Unter­stüt­zung orga­ni­sa­to­ri­scher Art wie Bera­tun­gen, wel­che wei­te­re Hil­fen aus ande­ren Quel­len mög­lich sind, ange­sie­delt wer­den.

Wir benö­ti­gen in Leipzig die Einrich­tung eines Ret­tungs­schirms für Leip­zi­ger Clubs- und Musik-Spiel­stät­ten, Künst­ler und Solo­selb­stän­di­ge im Ver­an­stal­tungs­sek­tor. Die­ser könn­te sich aus den Ein­nah­men der Leip­zi­ger Gäs­te­ta­xe spei­sen.

Wei­ter­hin sind fol­gen­de Punk­te wich­tig:

  • die Prü­fung von Ver­güns­ti­gun­gen, Stun­dun­gen oder sons­ti­gen Kos­ten­er­spar­nis­sen für Clubs und Musik-Spiel­stät­ten, die über die stadt­ei­ge­nen Betrie­be ver­an­lasst wer­den kön­nen.
  • Umwid­mung bereits exis­tie­ren­der För­der­töp­fe, die auf­grund nicht statt­fin­den­den Ver­an­stal­tun­gen nicht abge­ru­fen wer­den und den Auf­bau eines Fonds zur Unter­stüt­zung säch­si­scher Clubs, Musik­spiel­stät­ten, Künst­ler und sons­ti­ge Kul­tur­schaf­fen­der.
  • Ein­zug fäl­li­ger Steu­ern oder Bei­trä­ge bis auf Wei­te­res aus­zu­set­zen und wenn mög­lich, geleis­te­te Vor­aus­zah­lun­gen ins­be­son­de­re der Gewer­be­steu­er zu erstat­ten. So kann Liqui­di­tät für die Musik­spiel­stät­ten geschaf­fen wer­den.
  • Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen für ent­gan­ge­ne Ein­nah­men, um den Clubs die Mög­lich­keit zu geben, lau­fen­de Ver­bind­lich­kei­ten zu bedie­nen, die sonst aus dem regu­lä­ren Geschäfts­be­trieb hät­ten begli­chen wer­den. Kre­di­te oder Bürg­schaf­ten sind an die­ser Stel­le weni­ger hilf­reich, da sie die schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che Lage nicht ver­bes­sern.
  • Unter­stüt­zung der Clubs bei Ver­hand­lun­gen mit Ver­mie­tern, um eine zeit­li­che begrenz­te Stun­dung oder Erlass der Miet­zah­lun­gen zu erwir­ken.

An das Land Sach­sen

Allein die Kom­mu­nen kön­nen den Kraft­akt nicht allein stem­men. Wir regen daher ein koor­di­nier­tes Vor­ge­hen auf allen Ebe­nen an.

Wir for­dern das Land Sach­sen auf, einen Fonds zur Unter­stüt­zung säch­si­scher Clubs, Musik­spiel­stät­ten, Künstler*innen und sons­ti­ge Kul­tur­schaf­fen­der aus­zu­bau­en, aus dem schnell und unbü­ro­kra­tisch Hil­fe geleis­tet wer­den kann.

Wei­ter­hin sind Aus­fall­bürg­schaf­ten und Mikro­kre­di­te denk­bar. Wir ver­wei­sen hier aus­drück­lich auf die For­de­run­gen des Krea­ti­ven Sach­sen, die unter ande­rem hier zu fin­den sind

Bun­des­re­gie­rung, Arbeits­agen­tu­ren, Kran­ken­kas­sen

Von der Bun­des­re­gie­rung for­dern wir, Län­der und Kom­mu­nen bei der Ret­tung der Kul­tur zu unter­stüt­zen.

Die Clubs wer­den gezwun­gen sein, einen Teil der Beleg­schaft in Kurz­ar­beit zu schi­cken, um Kos­ten zu sen­ken. Wir benö­ti­gen auch hier kom­pe­ten­te Ansprech­part­ner, die uns bei der unbü­ro­kra­ti­sche Bean­tra­gung von Kurz­ar­bei­ter­geld bera­ten und unter­stüt­zen.

Die Schlie­ßun­gen der Clubs trifft beson­ders auch vie­le Mini­job­ber, die genau­so auf die regel­mä­ßi­gen Ein­nah­men ange­wie­sen sind. Wir for­dern daher die vor­über­ge­hen­de Aus­wei­tung der Kurz­ar­bei­ter­re­ge­lung auf gering­fü­gig Beschäf­tig­te.

Wei­ter­hin ist eine vor­über­ge­hen­de Auf­nah­me von Selb­stän­di­gen in die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung denk­bar, um sozia­le Här­te­fäl­le zu ver­mei­den.

Von den Kran­ken­kas­sen erwar­ten wir die Mög­lich­keit, aktu­ell offe­ne Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge stun­den zu kön­nen.

Wir regen auf Bun­des­ebe­ne eine zeit­lich begrenz­te Locke­rung der Insol­venz­ord­nung für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten aus beson­ders betrof­fe­nen Wirt­schafts­zwei­gen an. Aktu­ell wären vie­le sehr schnell gezwun­gen, Insol­venz anzu­mel­den. Mit die­ser Maß­nah­me wür­de Zeit geschaf­fen wer­den, bis Hilfs­pro­gram­me grei­fen.

+++

Hier fin­det ihr den Arti­kel  auf der Web­site der IG Live­Komm­bi­nat Leipzig:
https://livekommbinat.de/auswirkungen-des-coronavirus-auf-die-leipziger-club-und-live-musikszene-und-forderungskatalog/
+++

Die Inter­es­sen­ge­mein­schaft Live­Komm­bi­nat ist der Zusam­men­schluss von Leip­zi­ger Musik­clubs, Kul­tur­gas­tro­no­mie­ein­rich­tun­gen und Kul­tur­er­eig­nis­ver­an­stal­tern. Als über­ge­ord­ne­tes Gre­mi­um arbei­tet das Live­Komm­bi­nat Leipzig mit dem bun­des­weit agie­ren­den Live­komm – Live­Mu­sik­Kom­mis­si­on Ver­band zusam­men.

IG Live­Komm­bi­nat Leipzig // Stef­fen Kache
livekommbinat.de
zentrale@livekommbinat.de 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.