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30. Juli 2022

Recap Stamm­tisch #40 The­ma Frei­räu­me

Der Stamm­tisch #40 zum The­ma Frei­räu­me war ein ange­neh­mes und kon­struk­ti­ves Zusam­men­tref­fen in der Tan­te Man­fred. Eini­ge Mit­glie­der und Inter­es­sier­te teil­ten uns schon im Vor­feld mit, dass es für sie nicht mög­lich sein wür­de, teil­zu­neh­men, sodass wir hier­mit ein Recap ver­öf­fent­li­chen möch­ten, was auch uns hilft, die gan­zen tol­len Ideen zu sor­tie­ren.

Als Expert:innen waren gela­den: Schnup­pe von Gwin­ner (Kon­zept Frei­räu­me), Jörg Diet­rich (Stra­ßen- und Stadt­an­sich­ten) und die Betrei­be­rin­nen von Tüüg, die den Pop-Up Store Wett­be­werb letz­tes Jahr gewon­nen haben mit einem schrift­li­chen Input.

Kunst als Kos­me­tik?

Das The­ma Frei­räu­me brennt vie­len unter den Nägeln und ganz beson­ders uns Krea­ti­ven. Uns war vor allem wich­tig, uns bei die­sem Stamm­tisch zuerst ein­mal über Stand­punk­te, Erfah­run­gen und auch Sor­gen aus­zu­tau­schen. Bis dato hat­ten wir vor allem Mei­nun­gen auf­ge­schnappt wie: "Kunst wird hier nur als Kos­me­tik benutzt, um Leer­stän­de zu kaschie­ren", "Ich möch­te als Krea­ti­ver nicht nur ein Lücken­fül­ler sein" oder auch "Wir als Krea­ti­ve tra­gen so zur Vor­gen­tri­fi­zie­rung bei".

Mög­lich­kei­ten, sol­che Gedan­ken zu dis­ku­tie­ren, gibt es regel­mä­ßig in unter­schied­li­chen For­ma­ten von ver­schie­de­nen Trä­gern. Daher war für uns eben­so wich­tig, kon­kre­ter zu wer­den. Dazu zähl­te vor allem, Schnup­pe von Gwin­ners Kon­zept wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und auch ande­re Hand­lungs­op­tio­nen zu brain­stor­men. Denn man muss auch beto­nen; wenn Krea­ti­ve einen Ort nicht bespie­len, tut es frü­her oder spä­ter jemand ande­res. Oder noch schlim­mer; der Ort bleibt unge­nutzt bzw. ver­schwin­det sogar im Worst Case. Wenn der bis­he­ri­ge Trend so wei­ter­geht kann man, wie Chris­ti­an Rost (Geschäfts­füh­rer Kreatives Sach­sen) tref­fend for­mu­lier­te: "Unse­re Zukunft schon jetzt in ame­ri­ka­ni­schen Groß­städ­ten able­sen".

Das Frei­räu­me Kon­zept von Schnup­pe von Gwin­ner

Schnup­pe von Gwin­ners spe­zi­fi­sches Kon­zept setzt vor allem an der Bespie­lung innen­städ­ti­scher Frei­räu­me an. Sie argu­men­tiert, dass das Zen­trum das Herz der Stadt ist, wel­ches Strahl­kraft in die ein­zel­nen Stadt­tei­le ent­fal­ten soll­te. Es soll­te eine Attrak­ti­on für Besu­chen­de und Bewohner*innen dar­stel­len. Und obwohl in der Leip­zi­ger Innen­stadt viel Leer­stand herrscht, sind die Mie­ten nach wie vor hoch. Daher ist ein Ansatz von Schnup­pe von Gwin­ner, rein krea­ti­ve, nicht-kom­mer­zi­el­le Ange­bo­te in Clus­tern mit mer­kan­ti­len Ange­bo­ten zusam­men­zu­füh­ren, um eine Quer­fi­nan­zie­rung zu errei­chen. Nichts­des­to­trotz soll­te der Fokus natür­lich auf nicht-kom­mer­zi­el­len Pro­jek­ten lie­gen, sodass För­der­mit­tel akqui­riert wer­den müs­sen.

Gene­rell spricht sich Schnup­pe von Gwin­ner eher gegen Popup-Kon­zep­te aus, da die­se auf außer­or­dent­lich kur­ze Zeit­räu­me (etwa 3 Mona­te) ange­legt sind und somit kein nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten ermög­li­chen und vie­le Res­sour­cen ver­schlin­gen. Sie emp­fiehlt eher min­des­tens drei Jah­re Pro­jekt-/Miet­dau­er.

Die­ser Kri­tik­punkt fand sich auch in der Dar­stel­lung von Tüüg wie­der. Die bei­den Grün­de­rin­nen konn­ten den städ­ti­schen Popup-Wett­be­werb 2021 für sich ent­schei­den und damit fiel auch der Start­schuss für ihr Busi­ness.

Die Erfah­run­gen vom Tüüg Popup-Store

Tüüg brach­ten ihre Per­spek­ti­ve schrift­lich ein, weil sie selbst nicht vor Ort sein konn­ten: "Durch die tem­po­rä­re Nut­zung einer Flä­che und die Unge­bun­den­heit, habe ich mit mei­nem Kon­zept die Mög­lich­keit schnell ,woan­ders hin­zu­ge­hen‘, wenn es an einem Stand­ort nicht funk­tio­niert. Ich habe eben­falls schlicht­weg die Mög­lich­keit, im nächs­ten Angang bspw. mei­ne Art und Wei­se der Prä­sen­ta­ti­on oder Ver­kaufs­tak­tik zu ver­än­dern und kann mich ande­ren Gege­ben­hei­ten fle­xi­bel anpas­sen. Wir den­ken, dass die Fle­xi­bi­li­tät hin­ter einem Pop-Up Kon­zept beson­ders wich­tig ist. Denn die wird nicht nur gefor­dert, son­dern hilft dabei ,wach für neu­es und wach für Ver­än­de­run­gen‘ zu blei­ben. " (Han­ne Fran­ken, Grün­de­rin Tüüg)

Aller­dings führ­ten sie auch an, dass ein Erfolgs­fak­tor eines Popup Stores des­sen Lage ist und Lauf­kund­schaft für ein so jun­ges Kon­zept sehr hilf­reich ist. Auch sie emp­fan­den den Zeit­raum von 2 Mona­ten (?!) als sehr kurz, da sich sowohl Auf- als auch Abbau als zeit­in­ten­siv gestal­te­ten. Dane­ben müs­sen Popup-Betrei­ben­de teil­wei­se von 0 auf 100 kauf­män­ni­sche Grund­la­gen erler­nen. Eine Art Leit­fa­den oder Check­lis­te hät­ten nach ihrer Mei­nung an der Stel­le gehol­fen. Die­sen Vor­schlag wer­den wir an das Amt für Wirt­schafts­för­de­rung sowie die IHK zu Leipzig wei­ter­ge­ben.

Stadt­an­sich­ten von Jörg Diet­rich

Jörg Diet­rich ist Foto­gra­fie-Künst­ler und war direkt mit einer kon­kre­ten Ant­wort auf Schnup­pe von Gwin­ners Gedan­ken­spiel zum Stamm­tisch gesto­ßen. Er möch­te gern in der Innen­stadt sei­ne foto­gra­fi­schen Fas­sa­den­an­sich­ten ver­schie­de­ner Städ­te der Erde aus­stel­len. An sei­nem Bei­spiel wur­de beson­ders offen­sicht­lich, dass inner­städ­ti­sche Frei­räu­me meist nur begrenzt Platz bie­ten und sich krea­ti­ve Ideen dar­an anpas­sen müs­sen. Er unter­strich auch die Pro­ble­ma­tik, dass Auf­sich­ten für Öff­nungs­zei­ten benö­tigt wer­den. Außer­dem hob er noch­mal her­vor, dass auch Schau­fens­ter viel Poten­zi­al bie­ten, gera­de wenn es Lauf­kund­schaft gibt und even­tu­ell Öff­nungs­zei­ten sehr begrenzt sind.

Wei­te­re Schrit­te

Das The­ma Frei­räu­me ist häu­fig mit hohen Inves­ti­tio­nen ver­bun­den, daher ist von unse­rer Sei­te beim Stamm­tisch die Vor­über­le­gung ent­stan­den, es bei kom­men­den För­der­an­trä­gen zumin­dest stück­wei­se zu inte­grie­ren.

Bei­spiels­wei­se ent­steht der­zeit ein Kon­zept zu einem Kom­pe­tenz­zen­trum der Frei­en Sze­ne im Leip­zi­ger Zen­trum. Even­tu­ell könn­ten hier Aus­stel­lungs­mög­lich­kei­ten geschaf­fen wer­den.

Zudem gilt es, Immo­bi­li­en­fir­men davon zu über­zeu­gen, ihre Stra­te­gie zu ändern und bes­ser für einen redu­zier­ten Qua­drat­me­ter-Preis zu ver­mie­ten, als ihre Flä­chen leer ste­hen zu las­sen. Dafür braucht es einen Schul­ter­schluss ver­schie­de­ner Akteu­re, unter ande­rem dem Krea­ti­ven Leipzig und ande­ren Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen, aber auch der Stadt, dem City Manage­ment, even­tu­ell dem Stadt­mar­ke­ting oder der IHK, um dem Anlie­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. Im Zusam­men­hang damit ist mög­li­cher­wei­se jetzt die Zeit reif für ein Gesamt­kon­zept für die Innen­stadt, wel­ches von der Stadt­ver­wal­tung getra­gen wird. Es könn­te als eine Art Bekennt­nis gewer­tet wer­den, dass sich Poli­tik und Ver­wal­tung kon­kret mit den Her­aus­for­de­run­gen befas­sen und den Ernst der Lage aner­ken­nen.

Es ist nun unser Bestre­ben, intern eine AG zu bil­den, die sich dem The­ma Frei­räu­me mit den neu gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen annimmt und prüft, was sich umset­zen lässt.

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