Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl Sach­sen 2019 / Teil #5
7. August 2019
Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl Sach­sen 2019 / Teil #3
7. August 2019

Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl Sach­sen 2019 / Teil #4

+++ Teil #4 +++ digi­ta­ler Wan­del & EU-Urhe­ber­recht (Arti­kel 13) +++ Was haben die Par­tei­en für die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft in Sach­sen in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode auf ihren Zet­teln? Der Lan­des­ver­band der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft Sach­sen e.V. hat nach­ge­fragt und die aktu­ell im Land­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en (inklu­si­ve der FDP) zur schrift­li­chen Beant­wor­tung der fol­gen­den Wahl­prüf­stei­ne gebe­ten. Mit­glie­der des Lan­des­ver­ban­des der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft e.V. sind: Kreatives Leipzig, Kreatives Chem­nitz, Wir gestal­ten Dres­den. Hier im Teil #4 gibt es die Ant­wor­ten der Par­tei­en zu den Fra­gen:

+++

Die schlech­te bis sehr schlech­te digi­ta­le Infra­struk­tur (schnel­les Inter­net, schnel­les Funk­netz) in den länd­li­chen Räu­men (aber auch in Tei­len der Städ­te) ist für die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft ein Stand­ort­nach­teil. Wel­che Maß­nah­men sieht Ihre Par­tei vor, um den digi­ta­len Wan­del vor­an­zu­trei­ben?

CDU

Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert schon seit gerau­mer Zeit wie kei­ne ande­re tech­ni­sche Neue­rung unser Leben und unse­re Form des Wirt­schaf­tens. Sie ist zur zen­tra­len Schlüs­sel­tech­no­lo­gie und zum Wachs­tums­trei­ber unse­rer Wirt­schaft gewor­den. Wir wol­len die so eröff­ne­ten Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung offen­siv für Sach­sen nut­zen und neue Tech­no­lo­gi­en nicht nur sinn­voll anwen­den, son­dern auch wei­ter­ent­wi­ckeln. Des­halb ist es beson­ders wich­tig, dass an der HTWK Leipzig 17 Pro­fes­su­ren in einer neu­en Fakul­tät „Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on“ ent­stan­den sind. Damit wird der Stand­ort Sach­sen wei­ter gestärkt. Unser Ziel ist, dass Sach­sen bis 2025 eine flä­chen­de­cken­de Giga­bit-Breit­band­in­fra­struk­tur erhält. Dies soll durch intel­li­gen­te Ver­knüp­fung der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Tech­no­lo­gi­en gesche­hen. Wir bau­en die Mobil­funk­ver­sor­gung gemein­sam mit den Netz­be­trei­bern wei­ter aus und sor­gen mit einem Pro­gramm gegen Funk­lö­cher für eine flä­chen­de­cken­de Abde­ckung. Wir unter­stüt­zen wei­ter­hin die For­schungs- und Auf­bau­ak­ti­vi­tä­ten zum neu­en Mobil­funk­stan­dard 5G, um die­sen Wett­be­werbs­vor­sprung aus­zu­bau­en. Wir unter­stüt­zen Städ­te, Gemein­den und Land­krei­se beim Glas­fa­ser-und Breit­band­aus­bau bis zum letz­ten Haus durch ein leis­tungs­fä­hi­ges Breit­band­kom­pe­tenz­zen­trum mit ins­ge­samt 700 Mil­lio­nen Euro. Wir för­dern säch­si­sche Pilot­pro­jek­te und Test­fel­der zu den von der Digi­ta­li­sie­rung betrof­fe­nen Fach­be­rei­chen.

SPD

Der digi­ta­le Wan­del ist eine der größ­ten Zukunfts­auf­ga­ben unse­rer Gesell­schaft und betrifft vie­le Lebens­be­rei­che, den Staat sowie wirt­schaft­li­che Bran­chen. Die Kul­tur-und Krea­tiv­wirt­schaft unter­liegt die­sem Wan­del beson­ders und ist auf eine opti­ma­le digi­ta­le Infra­struk­tur, sei es in der Stadt oder auf dem Land, ange­wie­sen. Wir wol­len bis 2025 die „Giga­b­it­ge­sell­schaft“ errei­chen. Grund­la­ge für die Umset­zung der Stra­te­gie ist der Breit­band­aus­bau. Um die­ses ehr­gei­zi­ge Ziel zu schaf­fen, brau­chen wir eine Breit­band­ver­sor­gung von einem Giga­bit pro Sekun­de. Dafür muss jeder Haus­halt in Sach­sen über Glas­fa­ser mit Inter­net ver­sorgt werden.Der Breit­band­aus­bau ist nach der Rege­lung des Grund­ge­set­zes Auf­ga­be der pri­va­ten Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men. Nur dort, wo sie aus wirt­schaft­li­chen Grün­den selbst nicht aus­bau­en, darf der Staat unter engen recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen den Breit­band­aus­bau mit För­der­mit­teln unter­stüt­zen. Der Frei­staat holt beim Breit­band­aus­bau auf: Bei der Ver­sor­gung der Haus­hal­te mit min­des­tens 50 Mbit/s beträgt der Zuwachs allein von Ende 2017 bis Mit­te 2018 über 5 Pro­zent­punk­te. Sach­sen liegt bei der Ver­sor­gung nun bei 70,8 % und damit mit an der Spit­ze der ost­deut­schen Flä­chen­län­der. Beim Breit­band­an­schluss auf FTTB-Basis lie­gen wir bun­des­weit auf dem fünf­ten Platz, unter den Flä­chen­län­dern auf Platz vier. Das Säch­si­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um för­dert bereits den Breit­band­aus­bau mit­tels Glas­fa­ser. Auch der Bund hat die­se Not­wen­dig­keit erkannt und bie­tet seit August 2018 die Mög­lich­keit, lau­fen­de För­der­ver­fah­ren – soweit recht­lich zuläs­sig – auf die Glas­fa­ser­tech­no­lo­gie umzu­pla­nen („Upgrade“). Die Mehr­kos­ten für den Glas­fa­ser­aus­bau über­nimmt der Bund zum übli­chen För­der­satz. Der Frei­staat Sach­sen finan­ziert den rest­li­chen Anteil. Die Über­ar­bei­tung und Ver­ein­fa­chung der För­der­ver­fah­ren des Bun­des seit August 2018 haben bereits zu einer Beschleu­ni­gung des Aus­baus bei­getra­gen. In Zukunft wer­den wir uns eben­falls dafür ein­set­zen, dass der Aus­bau der nächs­ten Mobil­funk­ge­nera­ti­on 5G durch die Mobil­funk­an­bie­ter flä­chen­de­ckend erfolgt, denn für inno­va­ti­ve Ent­wick­lun­gen, wie die Digi­ta­li­sie­rung der Land­wirt­schaft, die Tele­me­di­zin und die KKwi, ist eine ver­läss­li­che Netz­an­bin­dung die wich­tigs­te Grund­vor­aus­set­zung. Mit der Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie „Sach­sen Digi­tal“ unter­neh­men wir zahl­rei­che wei­te­re Maß­nah­men, um das gro­ße Poten­zi­al digi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en zu nut­zen.

BÜND­NIS 90/DIE GRÜ­NEN

Wir wol­len ein flä­chen­de­ckend schnel­les Inter­net für alle Bürger*innen in Sach­sen. Dafür muss der Breit­band­aus­bau ins­be­son­de­re in den unter­ver­sorg­ten Gebie­ten im Länd­li­chen Raum schnell vor­an­kom­men. Denn die Ver­füg­bar­keit von aus­rei­chen­den Band­brei­ten ist eine ele­men­ta­re Vor­aus­set­zung für die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Leben, das immer mehr digi­tal statt­fin­det und ein har­ter Stand­ort­fak­tor für Unter­neh­men, bei­spiels­wei­se in der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft. Daher for­dern wir:

  •  sich als Land Sach­sen auf EU-und Bun­des-Ebe­ne für eine Erhö­hung der Auf­greif­schwel­le auf zunächst 100 Mbit/s sowie deren dyna­mi­sche Wei­ter­ent­wick­lung ein­zu­set­zen, da bis­her nur Gebie­te mit Band­brei­ten von weni­ger als 30 Mbit/s als unter­ver­sorgt gel­ten und ein Aus­bau aus­schließ­lich dort ent­spre­chend geför­dert wer­den kann
  • eine trag­fä­hi­ge Giga­bit-Stra­te­gie zur zukunfts­fä­hi­gen Ver­sor­gung mit 1 Gbit/s bis 2025 auf­zu­set­zen
  • die Bera­tungs­mög­lich­kei­ten für die Kom­mu­nen beim Breit­band­aus­bau aus­zu­bau­en, ins­be­son­de­re wenn die­se die Net­ze sel­ber betrei­ben wol­len, indem die Aus­stat­tung des Breit­band­kom­pe­tenz­zen­trums ver­bes­sert wird. Auch im Mobil­funk­be­reich for­dern wir die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit einer guten digi­ta­len Infra­struk­tur.

Da Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on nach Arti­kel 87f Grund­ge­setz eine Bun­des­an­ge­le­gen­heit dar­stellt, set­zen wir GRÜ­NE uns der­zeit ins­be­son­de­re im Rah­men der Ver­stei­ge­rung der 5G-Fre­quen­zen im Bund für fol­gen­de Maß­nah­men ein:

  • eine Ver­ein­ba­rung zum natio­na­len Roa­ming auf­zu­set­zen, durch das sich die Mobil­funk­ge­rä­te auto­ma­tisch in das bes­te Netz ein­log­gen kön­nen
  • die Diens­te­an­bie­ter zur Mög­lich­keit der Mit­be­nut­zung ihrer Infra­struk­tur gegen Ent­gelt durch ande­re Mobil­funk­un­ter­neh­men zu ver­pflich­ten, um den Wett­be­werb und damit die Netz­ab­de­ckung zu ver­bes­sern
  • die Ver­sor­gungs­auf­la­gen für die Netz­be­trei­ber ange­mes­sen aus­zu­ge­stal­ten, damit die Ver­sor­gung in der Flä­che sicher­ge­stellt wird.

DIE LIN­KE

Das die Situa­ti­on so ist wie sie ist, hat auch mit Ver­säum­nis­sen der säch­si­schen Lan­des­po­li­tik zu tun. Zum einen wur­de über Jah­re hin­weg (damals noch von CDU und FDP in der Staats­re­gie­rung) aus­schließ­lich auf den frei­en Markt gesetzt. Das benach­tei­lig­te von vorn­her­ein Regio­nen mit betriebs­wirt­schaft­lich gese­hen man­gel­haf­ter Nach­fra­ge (sprich Regio­nen mit sowie­so schon schwa­cher Infra­struk­tur und wei­te Tei­le des länd­li­chen Rau­mes). Aktu­ell wird mit viel Steu­er­geld nach­ge­bes­sert. Aller­dings ver­schla­fen wir der­zeit bereits die nächs­te Wel­le der digi­ta­len Infra­struk­tur. Beim 5G-Netz setzt auch die jet­zi­ge Staats­re­gie­rung (CDU und SPD) wie­der auf den frei­en Markt, so dass Sach­sen vor­aus­sicht­lich in 5 Jah­ren wie­der die glei­che rote Later­ne haben wird wie vor 5 Jah­ren. Wir schla­gen daher die Grün­dung einer Lan­des­in­fra­struk­tur­ge­sell­schaft für den Aus­bau der digi­ta­len Infra­struk­tur vor. Ande­re Bun­des­län­der und Regio­nen, z.B. Bay­ern und Nie­der­ös­ter­reich, haben die­se bereits. Eine sol­che Gesell­schaft soll mit öffent­li­chen Gel­dern gezielt in unter­ver­sorg­ten Gebie­ten digi­ta­le Infra­struk­tur errich­ten. Die­se wird dann gegen Gebühr an pri­va­te Betrei­ber ver­mie­tet, womit die Aus­ga­ben (zumin­dest zum Groß­teil) wie­der ein­ge­spielt wer­den. Zusätz­lich bleibt die Infra­struk­tur in öffent­li­cher Hand, was wir als Lin­ke wie auch für Ener­gie­net­ze, Was­ser­ver­sor­gung, Stra­ßen und Schie­nen ja auch for­dern. Nicht nur der tech­ni­sche Aus­bau prägt den digi­ta­len Wan­del der Gesell­schaft, son­dern auch die Digi­ta­li­sie­rung des täg­li­chen Lebens. Für uns muss der Mensch immer im Mit­tel­punkt ste­hen, des­halb hat die sozia­le und demo­kra­ti­sche Gestal­tung des digi­ta­len Wan­dels hohe Prio­ri­tät. Den­noch: Bil­dung kommt nicht allein nur vom Bild­schirm.

FDP

Um den Netz­aus­bau zu beschleu­ni­gen, wol­len wir ein­fa­che­re Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für den Bau von Mobil­funk­mas­ten, die Bereit­stel­lung geeig­ne­ter Immo­bi­li­en des Frei­staa­tes und sowie ein Pro­gramm für Kom­mu­nen und pri­va­te Initia­ti­ven, in unter­ver­sorg­ten Gebie­ten eige­ne Sen­de­mas­ten zu bau­en und zu ver­mie­ten. Wir stre­ben an, dass die Mas­ten des digi­ta­len Behör­den­funks (BOS) im Frei­staat Sach­sen nach Mög­lich­keit auch für kom­mer­zi­el­le Mobil­funk­an­bie­ter nutz­bar wer­den. Wir unter­stüt­zen die Erpro­bung inno­va­ti­ver Daten­kom­mu­ni­ka­ti­on im 5G-Stan­dard, die nach dem Prin­zip der bis­he­ri­gen Rund­funk­ver­brei­tung arbei­ten (Broad­cast). Sach­sen besitzt her­aus­ra­gen­de Kom­pe­ten­zen bei Mikro­elek­tro­nik und Soft­ware. Wir wol­len ein euro­päi­sches Ent­wick­lungs- und Demons­tra­ti­ons­zen­trum für das Inter­net der Din­ge (IoT) im öffent­li­chen Raum („Smart City“) und zehn „digi­ta­le Dör­fer“ in Sach­sen als „digi­ta­le Leucht­tür­me“ mit kon­kre­tem Nut­zen für Bür­ger und Unter­neh­men schaf­fen. Wir wer­den dafür säch­si­schen Gemein­den tech­ni­sche, finan­zi­el­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Unter­stüt­zung geben und sie wis­sen­schaft­lich beglei­ten. Inner­halb Sach­sens set­zen wir auf eine leis­tungs­fä­hi­ge digi­ta­le und ver­netz­te Infra­struk­tur in Stadt und Land. Die digi­ta­le Inte­gra­ti­on sehen wir als gro­ße Chan­ce für den länd­li­chen Raum, Lebens­be­din­gun­gen und wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät zu stei­gern. Die Projekte„Smart Sys­tems Hub“in Dres­den und „Smart Infra­st­ruc­tu­re Hub” in Leipzig wol­len wir kon­se­quent vor­an­trei­ben.
Wir wol­len in Sach­sen die moderns­te und bür­ger­freund­lichs­te öffent­li­che Ver­wal­tung Deutsch­lands schaf­fen. Dafür wer­den wir Pro­zes­se kom­plett auf den Prüf­stand stel­len und kon­se­quent digi­ta­li­sie­ren. Euro­päi­sche Län­der wie Est­land und Däne­mark zei­gen, dass die Staats­ver­wal­tung in allen Berei­chen schnel­ler, ein­fa­cher und effi­zi­en­ter arbei­ten kann. Ein leis­tungs­fä­hi­ges eGo­vernment spart nicht nur den Bür­gern Zeit, Geld und Ner­ven, son­dern ist auch ein Aus­hän­ge­schild für den Tech­no­lo­gie­stand­ort Sach­sen. Der Frei­staat hat in der Regie­rungs­zeit der Frei­en Demo­kra­ten zwar als ers­tes Bun­des­land ein umfas­sen­des eGo­vernment-Gesetz ein­ge­führt – bis­her wer­den die Mög­lich­kei­ten aber nicht genutzt. Wir wol­len zen­tra­le Stan­dards in allen Berei­chen erar­bei­ten und mit einer fes­ten gesetz­li­chen Frist bis 2025 in allen Behör­den und im Säch­si­schen Land­tag umset­zen. Dabei set­zen wir auf Tech­nik-und Anbie­ter­of­fen­heit. Wett­be­werb schafft auch hier die bes­ten Lösun­gen. Wir wol­len gän­gi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en wie ver­schlüs­sel­te E-Mails, digi­ta­le Signa­tu­ren und Apps auch in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Behör­den ein­füh­ren. Wir wol­len bis 2025 papier­ge­bun­de­ne Ver­wal­tungs­vor­gän­ge in Sach­sen digi­ta­li­sie­ren. Min­des­tens 80 Pro­zent aller Leis­tun­gen und Antrags­ver­fah­ren sol­len bis dahin medi­en­bruch­frei und digi­tal mög­lich sein. Dazu müs­sen auch die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge aller Behör­den des Frei­staa­tes und der Kom­mu­nen auf elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­rich­tet sein. Die Bür­ger sol­len die Vor­la­ge von Bele­gen etwa bei den Finanz­äm­tern auch auf elek­tro­ni­schem Weg per Scan erle­di­gen kön­nen. Digi­ta­li­sie­rung schafft nur dann mehr Effi­zi­enz, wenn sie umfas­send und auf allen Ebe­nen ein­ge­führt wird. Wir wol­len bei der Digi­ta­li­sie­rung der Ver­wal­tung von den Bes­ten in Euro­pa und der Welt ler­nen, anstatt jede Lösung neu zu erfin­den. Bei der Digi­ta­li­sie­rung in der Ver­wal­tung gilt für uns, dass der Bür­ger stets Herr sei­ner Daten blei­ben muss. Des­halb wer­den wir bei der Daten­ver­ar­bei­tung grund­sätz­lich die daten­schutz­freund­lichs­te Ver­fah­rens­wei­se zum Ein­satz brin­gen. Dies bedeu­tet auch, dass eine Daten­wei­ter­ga­be aus Mel­de­re­gis­tern an kom­mer­zi­el­le Emp­fän­ger oder Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nur mit Ein­wil­li­gung der Betrof­fe­nen erlaubt sein soll (Opt-in-Rege­lung). Daten sol­len nur erho­ben und gespei­chert wer­den, wenn dies erfor­der­lich ist. Das bedeu­tet auch, dass ein­mal erho­be­ne Daten auch für wei­te­re Ver­ar­bei­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen kön­nen, wenn der Betrof­fe­ne dies so will. Dadurch wird die mehr­fa­che Erhe­bung der­sel­ben Daten ver­mie­den.

AfD

Die Ver­sor­gung mit schnel­lem Inter­net sowie eine flä­chen­de­cken­de Mobil­funk­an­bin­dung sind für uns Ele­men­te staat­li­cher Daseins­vor­sor­ge.

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Wel­che Posi­ti­on ver­tritt Ihre Par­tei im Hin­blick auf die der­zei­ti­ge Debat­te zur Novel­lie­rung des EU-Urhe­ber­rechts, ins­be­son­de­re zu den Rege­lun­gen aus Arti­kel 13?

CDU

Urhe­ber­recht ist ein Eigen­tums­recht wie jedes ande­re Eigen­tums­recht. Es dient dazu, dass Künst­ler von ihren Wer­ken leben kön­nen. Urhe­ber­recht schützt also die Krea­tiv­wirt­schaft. Und die Ver­let­zung von Urhe­ber­recht ist letzt­lich Dieb­stahl bzw. im Fal­le der Platt­for­men Heh­le­rei geis­ti­gen Eigen­tums. Die Richt­li­nie setzt hier in rich­ti­ger Wei­se an und ver­la­gert die Haf­tung von den ein­zel­nen Usern auf die Kon­zer­ne, die das Hoch­la­den von Wer­ken und deren öffent­li­che Bereit­stel­lung zum Geschäfts­mo­dell gemacht haben. Wo bis­her aus­schließ­lich der pri­va­te You­tube-Nut­zer, er einen Song ohne Lizenz hoch­lädt, in Anspruch genom­men wer­den konn­te, soll künf­tig der Platt­form­be­trei­ber haf­ten, weil die Bereit­stel­lung von geschütz­ten Inhal­ten durch die Platt­for­men als „öffent­li­che Wie­der­ga­be“ anzu­se­hen ist. Das hat zur Fol­ge, dass der Platt­form­be­trei­ber unmit­tel­bar für die Inhal­te ver­ant­wort­lich ist. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat eine Pro­to­koll­erklä­rung abge­ge­ben, in dem es u.a. heißt: „Nach Arti­kel 17 Absatz 10 ist die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ver­pflich­tet, einen Dia­log mit allen betrof­fe­nen Inter­es­sen­grup­pen zu füh­ren, um Leit­li­ni­en zur Anwen­dung des Arti­kels 17 zu ent­wi­ckeln. Die Vor­schrift for­dert aus­drück­lich, die Aus­ge­wo­gen­heit zwi­schen den Grund­rech­ten sowie die Mög­lich­keit zu wah­ren, geschütz­te Inhal­te im Rah­men gesetz­li­cher Erlaub­nis­se auf Upload-Platt­for­men zu nut­zen. Die Bun­des­re­gie­rung geht des­halb davon aus, dass die­ser Dia­log vom Geist getra­gen ist, eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung der Krea­ti­ven zu gewähr­leis­ten, „Upload­fil­ter“ nach Mög­lich­keit zu ver­hin­dern, die Mei­nungs­frei­heit sicher­zu­stel­len und die Nut­zer­rech­te zu wah­ren.“

SPD

Die Richt­li­nie ist inzwi­schen durch das Par­la­ment und den Rat beschlos­sen. Damit sind die Inter­es­sen der Urhe­ber und Ver­wer­ter ange­mes­sen berück­sich­tigt. Die Pro­ble­ma­tik um Art.13, zuletzt Art.17 der Richt­li­nie, ins­be­son­de­re die Fra­ge der sog. „Upload­fil­ter“ wur­de in einer Zusatz­ver­ein­ba­rung zur Richt­li­nie auf­ge­grif­fen. Der Begriff des „Upload­fil­ters“ bzw. ein inhalts­glei­cher Platz­hal­ter kom­men in der Richt­li­nie nicht vor. Es soll den Mit­glieds­staa­ten frei­ge­stellt wer­den, wie sie das ange­streb­te Ziel der Wah­rung der Urhe­ber­rech­te errei­chen. Aber die Rege­lung muss hier­für geeig­net sein. Die SPD ist der Auf­fas­sung, dass dies inDeutsch­land, mög­lichst auch in den ande­ren Staa­ten der EU, durch eine Rege­lung ähn­lich der GEMA her­bei­ge­führt wer­den soll­te: Pau­schal­li­zen­zen und Pau­schal­ge­büh­ren für Gerä­te und Soft­ware im pri­va­ten Nut­zer­be­reich, Anmel­dung und Abgel­tung im pro­fes­sio­nel­len Bereich.

BÜND­NIS 90/DIE GRÜ­NEN

Die Ansprü­che von Künst­le­rin­nen und Künst­lern müs­sen durch­ge­setzt wer­den. Sie haben eben­so wie alle Urhe­be­rin­nen und Urhe­ber ein Recht dar­auf, für ihr geis­ti­ges Eigen­tum auch ent­spre­chend bezahlt zu wer­den. Upload­fil­ter und Leis­tungs­schutz­recht sind aber die fal­sche Ant­wort auf die Urhe­ber­rechts­pro­ble­me im digi­ta­len Zeit­al­ter, denn es wird ein Ungleich­ge­wicht zuguns­ten von Ver­wer­tungs­ein­rich­tun­gen und gro­ßen Platt­for­men geschaf­fen. Es müs­sen Rege­lun­gen für die klei­nen Anbie­ter und die Betei­li­gung an den Umsät­zen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten für die Urhe­be­rin­nen und Urhe­ber geschaf­fen wer­den.

DIE LIN­KE

Die LIN­KE hat sich deut­lich gegen die­se „Reform“ positioniert.Die Inter­es­sen der Krea­ti­ven sind zwi­schen den ver­schie­de­nen Ver­wer­tungs­in­ter­es­sen eben­so zer­rie­ben wor­den wie die der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer. Abge­ar­bei­tet wur­den vor allem die Wunsch­lis­ten der Ver­la­ge und Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, z.B.beim Leis­tungs­schutz und bei Urheberverträgen.Das vor­ge­ge­be­ne Ziel, Krea­ti­ve an den Ein­nah­men von Platt­for­men zu betei­li­gen, wur­de nicht erreicht. Nichts in der Richt­li­nie führt dazu, dass Krea­ti­ve gerech­ter an den Erlö­sen betei­ligt wer­den. Es geht nicht um eine direk­te Ver­gü­tung von Krea­ti­ven, son­dern um mehr Geld für Ver­la­ge und Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten. Was die­se dann wei­ter geben, ist völ­lig offen und muss wie­der hart ver­han­delt wer­den.

FDP

Wir sehen die Reform des EU-Urhe­ber­rechts kri­tisch. Wir ste­hen für Alter­na­ti­ven, um das Urhe­ber­recht ohne Upload­fil­ter zu schüt­zen.

AfD

Ableh­nend, weil nur Orga­ni­sa­tio­nen gestärkt wer­den und der ein­zel­ne Urhe­ber in der Ver­brei­tung sei­ner Schöp­fun­gen behin­dert wird.

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Hier gibt es wei­te­re Ant­wor­ten der Par­tei­en lesen // Wahl­prüf­stei­ne:

  1. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #1 / geplan­te lan­des­po­li­ti­sche Maß­nah­men & Haus­halt
  2. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #2 / För­der­mit­tel und För­der­instru­men­te
  3. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #3 / Räu­me für die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft
  4. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #4 / digi­ta­ler Wan­del & EU-Urhe­ber­recht (Arti­kel 13)
  5. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #5 / Frau­en in der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft
  6. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #6 / För­de­rung Design- und Musik­wirt­schaft
  7. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #7 / Struk­tur­wan­del (Ober­lau­sitz und Mit­tel­deut­sches Revier)
  8. Wahl­prüf­stei­ne Land­tags­wahl 2019 / Teil #8 / Inno­va­ti­ons­trei­ber Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft (Think­Tank)

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